ArtikelErziehen auf Augenhöhe

Bleib locker Muddi – nicht noch ein Erziehungsratgeber / Erziehen auf Augenhöhe

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Als ich Aiden damals bekam, änderte sich alles. Er zeigte mir, dass das, was ich all die Jahre getan habe, ich auch anderes hätte machen können. Sollen.

Ich folgte Großteils einem Erziehungsleitbild, welches in Büchern, Zeitungen und Empfehlungen zu finden war.

 

Zuckerbrot und Peitsche

sozusagen. Ich wollte schon immer nur das beste für meine Kinder, ohne Frage. Allerdings, im heute, merke ich, das ich vieles hätte anders machen können. Nicht unbedingt müssen, aber vor allem hab ich es nicht getan, weil „das macht man halt so!“ – ohne nachzudenken, was es noch für Alternativen gäbe.

So habe ich meine Kinder mit spätestens einem Jahr in ihr eigenes Zimmer „verfrachtet“ nur eines von 4`ren wollte dies freiwillig. 3 von meinen Kindern wollten es nicht, aber das musste sein, sonst haben wir sie für immer im Bett/ Schlafzimmer. So haben sich 2 von ihnen damit abgefunden, nur einer nie: Seit Aiden, der uns überhaupt keine Wahl ließ, denke ich mir; ja aber warum haben wir es eigentlich nicht gemacht? Hätten meine anderen Kinder vielleicht auch die Nähe Nachts gebraucht? Irgendwann kommt sicherlich der Tag, da wollen sie selber nicht mehr bei Mama und Papa schlafen.

Gesundheitliche Gründe gibt es mindestens genauso viele für`s für und wieder. Daran kann es nicht liegen.

Der Hauptgrund, denke ICH, ist die Gesellschaft: Man lässt sich unterbuttern, von Blicken und Sprüchen von Freunden, Bekannten, Verwandten, und sogar der online Welt. Sprüche wie: „Ach .. echt… immer noch? Wie habt ihr denn bitte Sex?“  … Nunja… Im stehen und liegen, und es ist schade, dass euer Sexualleben nur auf’s Bett beschränkt ist #dastutmirwirklichleid

Man lässt sich unterdrücken, weil man Diskussionen aus dem Weg gehen will. Schließlich hat man genau in dem Moment ein schlechtes Gewissen, .. macht man es vielleicht doch falsch? Ist man schwach? Lässt man sich von seinen Kindern verarschen?

Kindern müssen hören, hören auf das, was Erwachsene sagen, schließlich wissen wir Großen es doch besser. Wir haben die Fehler schon begangen, mindestens darüber gelesen. Wir wissen, was sich gehört und vor allem möchten wir alle Vorzeigekinder.

Keiner möchte Kinder, die sich lautstark im Supermarkt durchsetzen aber wir wollen alle später Erwachsene Kinder, die Chefpositionen* haben und … sich durchsetzen können, denn keiner will Mobbing Opfer, die sich eben nicht durchsetzen können… #siehstdudieironie.

*nur ein Bsp.

Ich habe meine Kinder ungewollt unterdrückt. Indem ich ihnen meinen Willen aufgedrängt habe. Immer und immer wieder. Das hört sich hart an, aber es passiert Tag täglich in 95% aller Familien.

Sie mussten essen, was wir ihnen hingestellt haben. Schließlich koch ich nicht 6 verschiedene Essen.

Wochenplan machen, wo jeder mitbestimmen kann.

Sie müssen anziehen, was ich ihnen kaufe. Mit 9 Jahren kommt dann der erste Krach, denn das, was im Schrank ist, gefällt „plötzlich“ nicht mehr.

Zusammen Abends schauen, oder morgens 15 Minuten früher aufstehen.

Sie müssen sich benehmen, beim Essen gehen, bei Ausflügen, bei allen öffentlichen Veranstaltungen, statt voller Freude Quatsch zu machen und Spaß zu haben.

Einfach drüber stehen. Nur weil man Kinder hat, die Spaß am Leben haben, ist man nicht asozial.

Sie müssen Danke und Bitte sagen, weil wir es verlangen, aber die Nachbarskinder nicht mal Hallo sagen können.

Einfach mal unkommentiert lassen und so seinen Kindern nicht mit „Waaas sagt maaaaaaaaaaaan?“ in den Rücken fallen.

Sie müssen ständig „Paß auf!“ „Mach nicht so dolle!“ von uns hören und sich daran halten, weil wir sonst gehen.

Einfach mal machen lassen. Aus Fehlern lernt man. Aus den eigenen. Und ein „Ich habs doch gesagt“ verkneifen.

Sie dürfen nicht zu 6t auf’s Trampolin, weil auf dem Schild steht „nur für 3 Kinder“.

Augen zu und durch. Die Wahrscheinlichkeit, dass was passiert ist eher gering.

Bälle dürfen auch nicht mit rein, sie könnten sich das Bein brechen.

Können sie auch bei Glatteis.

Sie müssen ins Bett, wenn wir es ihnen sagen, auch wenn sie noch gar nicht müde sind.

Spätestens am 4. Abend gehen sie freiwillig 18.00 Uhr ins Bett.

Sie müssen morgens Frühstücken, auch wenn sie keinen Hunger haben.

Ja, dann eben nicht.

Sie dürfen in der Schule nur Wasser trinken, trinken daher lieber nichts, als das.

Alternativen: Wasser mit Geschmack.

Sie müssen sich von Erwachsenen rumschubsen lassen, obwohl sie nicht zur Familie gehören.

Etwas schwieriger, aber nicht unlösbar. Dazu demnächst bald mehr.

Sie müssen alles machen, was wir und andere große Menschen von ihnen verlangen. Ohne wenn und aber, denn widersprechen dürfen sie nicht.

Wichtig ist, hinter seinem Kind zu stehen. Nur das zählt.

 

Du verstehst, was ich meine…

Natürlich könnte man sagen, das ist halt so. Das muss so, so läuft es eben. Lange Zeit war ich davon auch wirklich super überzeugt, denn ich möchte vernünftige Kinder, für die man sich nicht schämen muss. Vor allem aber möchte ich mir nicht nachsagen lassen, ich wäre mit 4 Kindern überfordert und könnte sie nicht erziehen, weil sie ihren eigenen Willen haben.

In unserer Gesellschaft geht das schnell. #Schubladendenken

Zumal dies von uns als Großfamilie erwartet wird.

Weißt du was? Das ist mir mittlerweile Furzpiepegal.

Die Veränderung

Seit vielen Monaten merke ich, dass ich mich verändere. Das ich vieles überdenke, das ich bei vielem nicht mehr dahinter stehen kann. Das eine ganze Menge mir am Arsch vorbeigeht, vor allem Dinge, die von außen wortlos nicht „geduldet“ werden. Das ich merke, was am wichtigsten ist und ich dafür einstehe. Dass ich einiges automatisch langsam ändere, weil es uns damit besser geht. Das WIR wieder mehr WIR werden.

Ich merke, dass ich meinen Kindern 100% vertrauen kann und muss, ich musste einsehen, dass ich ihnen oft von vornherein das schlimmste unterstellt habe; Sie haben nicht vor uns zu blamieren, wenn wir essen gehen, sie hegen nicht den Plan Freitag Abend ins Krankenhaus zu müssen, weil sie auf einen Baum klettern, sie sagen nicht extra nicht Danke, wenn sie einen Schokoriegel von einer netten Omi bekommen und auch weiß ich, dass sie nicht extra nicht aufräumen, wenn sie ihre Zimmer in blankem Chaos zerlegt haben.

Ich weiß, dass sie vieles einfach nicht sehen können. Denn sie sind Kinder. Sie sehen den Spaß, sie haben Spaß. Sie können noch keine Verantwortung tragen – weil sie es nicht müssen, dafür haben sie uns Eltern, wir können Danke sagen, wir können aufräumen, wenn es UNS stört, auch gehört es einfach dazu mal ins Krankenhaus zu müssen, genauso wie in Pfützen zu springen, wenn man Kinder hat und Essen gehen ist ja nun mal auch langweilig, darum erfand man FAST Food.

Der Weg ist das Ziel.

Punkt. Lange hat dieser Spruch keinen richtigen Sinn ergeben. Aber mittlerweile ist er der Mittelpunkt unserer neuen Erziehungsweise.

Früher gab es tagelang Streit, weil die Knutschkugeln ihre Zimmer einfach nicht aufgeräumt haben. Ich nahm es persönlich – sie hören nicht auf mich – ich habe versagt. Auch die erzieherische Strategie des Müllsacks wurde schon herangezogen, allerdings ist das schon 10 Jahre her. Hat funktioniert, aber was macht das mit einem Kind? Es räumt aus Angst auf, ja. Aber nicht nur das, es klammert von nun an, an seinen Sachen. Wie soll man dann noch friedlich altes Spielzeug aussortieren?

Auch ich springe nicht vor Freude in die Luft, wenn ich weiß, ich muss aufräumen, und drücke mich lieber, .. nähe, schreibe, spiele mit den Kids oder wir gehen raus.

 

In meiner Timeline teilen sich mittlerweile Beiträge aus den Kategorien

Freilernen

Minimalismus

Unerzogen Leben

Weltentdecker

die Plätze. Ich kann nichts davon 100% unterschreiben, denn ich brauche mehr als 6 Teller in meinem Schrank #minimalismus, ich brauche Hilfe beim Unterrichten #freilerner, ich kann meinen Kindern nicht alles durchgehen lassen – dafür gibt es Gesetze #unerzogenleben und auch können  wir leider noch nicht alles stehen und liegen lassen #weltentdecker. Daher bastel ich uns unseren eigenen Erziehungsstil:

Erziehen auf Augenhöhe

denn das aller wichtigste findest du nirgendwo beschrieben, in all den Anleitungen, wie die perfekte Erziehung aussehen soll:

Höre auf dein Bauchgefühl.

Tu das, was DIR wichtig ist,wobei du ein richtig gutes Gefühl hast,

denn nur du weißt, was dein Kind wirklich braucht.

Und auch wenn sich hinterher herausstellt, das es doch nicht das Richtige war, dann kann man auch nach 20 Jahren noch 100% dahinter stehen, denn für den Moment, war es das Richtige; meine richtige Entscheidung, wobei ich das beste Gefühl hatte, und nicht, weil man das eben so macht.

Es geht immer anders.

Bleib locker, Muddi, es ist alles nur halb so schlimm, wenn man über vieles hinweg sieht. Und das hat nichts mit Vernachlässigung zu tun, sondern mit Leben… selbstständiges lernen … Wertschätzung … Vertrauen … Liebe. Der Weg ist das Ziel. Auf Augenhöhe.

 

3 Gedanken zu „Bleib locker Muddi – nicht noch ein Erziehungsratgeber / Erziehen auf Augenhöhe

  1. toll geschrieben. Und ich merke bei mir das ichs mir beim großen sohn bei einigem leichter hätte machen können.das hat sich alles schlagartig mit der kleinen schwester geändert.weil da hat all das nicht mehr funktioniert….und ich sage gott sei dank….:-)

  2. Es ist so schwer, auf sein Bauchgefühl zu hören. Der Druck auf Mütter beginnt schon sooo früh: Bereits im Babyalter beginnt der Wettstreit darum, welches Baby am ehesten durchschläft.
    Immer noch hört man den Spruch: “ Lass das Baby ruhig mal schreien, das kräftigt die Lungen.“ Dieser Rat stammt übrigens von Johanna Haarer, einer überzeugten Nationalsozialistin und DER Autorin von Erziehungsratgebern im Dritten Reich. Auch nach dieser Zeit waren ihre Bücher noch gefragt und wurden immer wieder neu aufgelegt, bereinigt von Wörtern wie Führer oder Volk.
    Schlimm ist, dass es in vielen Köpfen noch immer nicht angekommen ist, dass man durch solche „Erziehungsmethoden“ Traumata bei Kindern verursachen kann.
    Im Laufe meines Mutterseins habe ich folgende drei Dinge beherzigen gelernt :
    – Respekt ist etwas, dass wir in unserer Familie leben, und zwar gegenseitig. Ich kann keinen Respekt (im Sinne von Wertschätzung und Achtung) von Kindern erwarten, wenn ich Ihnen nicht mit der selben Haltung begegne.
    – Vorleben ist die beste „Erziehungsmethode“.
    Wie kann ich erwarten, dass mein Kind alles sofort und auf der Stelle erledigt, wenn ich selber das ein oder andere gern auf die lange Bank schiebe? 😉
    – Ver- und Zutrauen in mein Kind. Wenn es zu etwas bereit ist, wird es das auch tun. So haben wir uns allen viel Stress erspart, denn die Sauberkeitserziehung hat dadurch eigentlich nicht stattgefunden. Das Wort an sich ist doch schon seltsam und impliziert, dass Kinder es schön finden, ’ne nasse Bux zu haben oder für immer ’ne Windel zu tragen und es deshalb notwendig ist, sich dazu zu erziehen, zur Toilette zu gehen.
    Was für eine Unterstellung!
    Ich unterstelle meinem Kind, dass es sich entwickeln WILL und es auch tut. Und bisher sind wir damit wunderbar zurecht gekommen.
    Zum Thema Schlafen im eigenen Bett habe auch ich die Haltung, dass noch kein Kind aus dem Elternbett ins Altenheim umgezogen ist 😉
    Dennoch bin ich hier und in übertragbaren Situationen der Meinung, dass so etwas nur funktioniert, wenn alle, also auch die Eltern, gut damit leben können.
    Und da habe ich dann doch noch einen vierten Punkt:
    – Ich kann Dinge meinem Kind gegenüber nur durchsetzen, wenn ich selber 100%ig dahinter stehe. Kinder haben für so etwas gaaanz feine Antennen und spüren sofort, wenn wir nicht so ganz von dem überzeugt sind, was wir gerade so erwarten. Und halten uns dann ratzfatz den Spiegel vor, um uns zu entlarven 😉

  3. Oh Gott wie kann ich dich verstehen! Ich bin Mama von 4 Kinder. Meine ersten zwei sind mittlerweile 12 und 14 Jahre alt. Ich fühle mich immer noch schlecht und mache mir Vorwürfe. Warum habe ich sie nicht so behandelt wie die 2 kleinsten Mädchen jetzt………Fragen über Fragen. Es tut einfach weh wenn man weiß, man kann nichts mehr rückgängig machen. Zudem hat man auch viel kaputt gemacht.

    ABER eines weiß ich. Das Leben hat einen Sinn. Ich lerne und erfahre im hier und jetzt. Meine Kinder begleiten mich schon viele Leben und wir haben uns gemeinsam entschieden, uns Schmerzen zuzufügen damit wir lernen.

    Heute begleite ich meine Kinder auf ihren Weg. Ich zwinge ihnen nichts mehr auf, überrede sie nicht, bin grundehrlich, sogar durchsichtig für sie. Sie müssen nichts, sie können.

    Alles Liebe
    Irene

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