ArtikelAuf in ein neues Leben

Bye Regelschule – von Mobbing, Fehlerhaftem Verhalten, Erziehung und dem Erwachen

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Brief an meine Kinder

Meine geliebten Kinder, ich sehe euch. Vergesst das nie. Ich bin stets bemüht das beste für euch zu tun, auch wenn ich Fehler mache.

Ich reflektiere täglich, frage nach dem warum, versuche mit euch und für euch Lösungen zu finden, versuche immer für euch da zu sein. Auch wenn es mir nicht immer gelingt – da auch ich an meine Grenzen stoße und manchmal nicht weiß, was ich tun soll.

Heute möchte ich euch sagen, dass ich sehe, was die letzten Schuljahre mit euch gemacht haben.

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Die Einschulungen

Ich weiß, dass ihr euch damals total auf die Schule gefreut habt. Wolltet lesen, schreiben, rechnen und lernen.

Einiges konnte der ein oder andere von euch schon vorher. Obwohl wir euch nie gefordert haben. Denn wir wollten nie die Eltern sein, die ihre Kinder überfordern und klugscheißerisch sagen „unsere Kinder sind hochbegabt!“. Wir sind keine Übereltern. Wir sind keine Helikopter Eltern. Wir sind keine Unerzogen‘ Eltern.

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Wir sind eure Eltern.

Und das zum ersten Mal.

Jedes mal.

Jeder von euch 4’n hat seine ganz eigenen Bedürfnisse, Begabungen und Interessen.

Der eine kann sich mehr anpassen.

Der andere weniger.

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Statt Beziehung gab es Erziehung

Es gab Zeiten, da haben wir euch gesagt „Das macht man aber so!“, „Da musst du durch!“, „Das ist halt so!“, weil wir davon überzeugt waren.

Weil man das so macht.

Wir haben euch erzogen. Wir haben verboten, wir haben gedrängt, wir haben euch viele Entscheidungen abgenommen. Und wir sind damit gescheitert.

So oft habe ich euch gezwungen alle Hausaufgaben fertig zu stellen, und so oft saßt ihr stundenlang und bis Abends daran, ohne das ich wirklich hinterfragt habe warum das so so lange dauert. Ihr habt oft geweint und mich gebeten aufzuhören – und ich zwang euch alles fertig zu machen.

Weil man das von euch erwartet. Weil man das von mir erwartet.

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Am Ende aller Kräfte

Nach Monaten, Jahren – einst voller glücklicher Tage – habe ich euch gesehen: Ihr wart so oft am Ende eurer Kräfte, das war vor einem Jahr.

Ihr hattet versucht ins System zu passen.

Es uns allen Recht zu machen.

Ihr habt resigniert und wart Mitläufer. Habt nicht widersprochen, wart „gut erzogen“. Habt nie in Schwierigkeiten oder Streitereien gesteckt.

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Damals, als der Tag kam – weil ihr lieb seid, weil ihr wußtet, man schlägt sich nicht, weil ihr wußtet, man ist so zu anderen, wie man selber gern behandelt werden möchte, wurdet ihr zum Opfer. Man widerspricht (vor allem Erwachsenen) schließlich nicht.

Mobbing

Wir haben extremes Mobbing – mit Selbstmordaufforderungen überstanden, wir haben Hetze, Manipulative Lehrer, narzisstische Direktoren, Arschlochkinder und deren Eltern, Schulstoff der überhand nahm, handgreifliche Betreuer und unfaire Klassenlehrer – und noch viel mehr – in den letzten 3 Jahren überstanden.

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Wir haben vieles geschluckt – bis es, vor einem Jahr, an der Zeit war aufzustehen.

Der Tag kam, der uns die Augen geöffnet hat. Das man halt mit „nett“ nicht immer weiter kommt. Das reden nicht immer etwas bringt. Das Versprechungen auch nu leere Worte sein können. Das man sich nicht auf die Personen verlassen kann, die am Vormittag die Sorge für euch tragen müssten.

Es war Zeit zum kämpfen.




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Der Anfang einer neuen Denkweise

Wir haben euch fortan gelehrt „nein“ zu sagen – zu meinen und dahinter zustehen. Auch wenn man anderes von euch und uns erwartet hat.

Wir wollten keine Marionetten mehr haben.

Ihr hattet euch verloren – wir haben uns verloren – es war höchste Zeit euch, und uns als Familie, zu retten.

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Auszubrechen aus einem System, welches uns kaputt macht, denn glücklich war schon lange keiner mehr von uns. Egal, wie viel wir uns vor machten.

Wir haben euch fortan machen lassen. Wir haben euch vertraut, mehr denn je.

Haben aufgegeben ins System passen zu wollen.

Ihr kamt zu Kräften, wurdet wieder Selbstbewusster, standet für euch ein – aber ihr habt jeden Tag erneut eure Kämpfe ausgetragen müssen.

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Tägliche Kämpfe

Ihr wußtet, ihr müsst wieder in diese Schule und werdet wieder überfordert sein: „Jeder trägt halt sein Päckchen, das ist halt so.“

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Der eine kämpfte mit Mobbing und hatte keinen Rückhalt von den Lehrer, auch nach mehreren Gesprächen nicht. Im Gegenteil; im Zeugnis stand „du sollst auf deine Mitschüler zugehen und fairer sein.“ – Mitschüler, die dich bei jeder Gelegenheit mehrmals täglich verprügelten, würgten und dich psychisch fertig machten, so dass du nie wieder in die Schule wolltest.

Ein Jahr lang ging das so, diesem ersten Schuljahr, welches unbeschwert hätte sein sollen.

Und keiner half. Alle schauten zu.

Und mir waren die Hände gebunden.

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Auch solltest Du vergessen, dass dein Betreuer dich durch den Flur gezogen hat – er unberechtigterweise handgreiflich wurde.

Und auch hier: wieder keine Unterstützung seitens Erwachsener, die auf dich aufpassen hätten müssen.

Du hast daraus gelernt, es gibt scheinbar keine Gerechtigkeit, denn ihm wurde keine Strafe auferlegt, trotz vielen Streitgesprächen mit uns und den zuständigen Behörden.

Du sollst dich nicht so anstellen, haben sie gesagt.

Wir sollen uns nicht so anstellen, haben sie gesagt.

War ja nur halb so schlimm, davon sind sie überzeugt.




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Der andere wird immer als Vorzeigepuppe benutzt. „Sei da, wenn ich meine Prüfung habe, sonst schaff ich das nicht.“, „Du musst aber bei dem Auftritt dabei sein, sonst bist du schuld, dass alle versagen.“, „Du musst allen noch einmal erzählen, was wir gelernt haben.“ Mach dies und das und sowieso „du machst das doch sonst so gerne! Also bitte, sonst fragen wir dich nicht mehr“.

Ohne Pause gab es immer wieder neue Forderungen, neue Verantwortungen, neue Erpressungen, die man als Kind noch gar nicht tragen kann – egal ob du das gerne machst oder nicht. Es waren nicht deine Aufgaben.

Und dann, als du wieder zu Kräften kamst, wurde dir dein liebstes genommen: Du wurdest von Direktor und Lehrer gemobbt indem man dich aus AG’s mobbte.

Weil ich mittlerweile nicht mehr den Mund hielt.

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Ein anderer hat gelernt alles böse zu verdrängen.

Mobbing – weil neu in der Klasse, mit Nachrichten a’la „Bring dich doch einfach um!“.

Hast auch gelernt, dass du dich nie auf deine Lehrer verlassen kannst, denn sie haben sich nicht darum gekümmert. Hast gelernt, dass Menschen böse sind, wie traurig ist das? Und hast gesehen, dass du dich (leider) nur auf uns verlassen kannst, denn ich war da schon keine der Mütter mehr, die stillschweigend alles hinnimmt und sagt „Klärt das unter euch!“.

 

So wie es war, ging es nicht weiter. Ihr wurdet fast krank. Ihr habt stillschweigend gelitten.

Wir mussten etwas unternehmen.

Zu euren Gunsten.

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Aber wir mussten euch trotzdem jeden Tag wieder dem überlassen, was euch Angst macht – konnten euch dort nicht zur Seite stehen.

Je öfter ihr hin gingt, umso mehr lerntet ihr euch anzupassen, mit zuspielen, so zu tun, als sei alles in Ordnung.

Stellt euch nicht so an, ist ihre Botschaft. Hört auf, einen eigenen Willen zu haben. Ordnet euch unter. Der Stärkere gewinnt.

Menschlichkeit? Fehl am Platz.

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Auch wir als Eltern mussten lernen.

Kannten wir es ja auch nicht anders.

Merkten aber, das es so, wie es war, nicht mehr geht. Wir haben gekämpft, oft auch gegen uns und unsere Denkweise selbst, denn wir können die anderen nicht ändern, aber uns.

Und das zog fast genauso viele Probleme mit sich.

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Der neue Anfang

Vor etwas über 2 Wochen, da kam der Tag, da brachen wir endlich mit alldem, was euch so kaputt macht.

Weg von nazistischen Direktoren, die euch manipulieren, die euch einreden nichts Wert zu sein.

Weg von Lehrern, die euch über.- und unterfordern mit Dingen, die ihr hasst und/oder liebt. Die nicht sehen, wofür ihr eine Leidenschaft – und wo ihr Schwächen habt, weil sie dafür keine Zeit haben, weil sie eben auch überfordert sind. Weil es das System nicht zulässt.

Weg von Kindern, die jetzt schon nur noch eines im Sinne haben: Besser zu sein, als ihr – koste es was es wolle. Eine Denkweise die mich schockiert, denn sollten wir nicht alle eine Gesellschaft sein?

Wo kommen wir hin, wenn schon Erstklässer extrem Mobben, weil sie gedrängt werden besser sein zu müssen?!

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Die Illusion vom schönen Leben

Ich war traurig darüber, dass es so gekommen ist. Waren wir doch schon in einigen Schulen und in Kindergärten, die mitfühlender auf ihre Schützlinge eingegangen sind … die euch gehört und gesehen haben… die für euch da waren und euch die Hand gereicht haben.

Vielleicht sah ich das aber damals auch anders, weil wir mit dem Strom schwammen?!

Aber eines weiß ich: seit 1,5 Jahren ist nichts mehr so, wie es mal war. Wir haben euch täglich in eine Hölle geschickt, ohne auch nur im entferntesten zu Ahnen, was wir damit anrichten – weil wir euch ein schöneres Leben ermöglichen wollten, in einer Nachbarschaft; in einem Wohnviertel, welches als Ideal gilt. Scheiß auf Ideal! Lieber in einem Zelt am Straßenrand, als SO weiterzumachen!

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Geblendet vom „immer schöneren Leben“ haben wir eines fast aus den Augen verloren: euch und eure Kindheit wahrhaftig zu schützen.

 

Wir haben euch damals, ohne das wir es ahnten, mit Hilfe von „Pädagogen“, Ratgebern und Erziehern,  fast von Geburt an in eine Form gepresst.

Haben euch mit Hilfe von Lehrern, Medikamenten und der Diagnose ADHS ruhig gestellt, haben euch gefügig gemacht, damit ihr in der Schule die anderen nicht stört. Ihr still sitzt, brav die Hände hebt und aufgebt Kinder zu sein, die neugierig die Welt entdecken.

Wir wollten, das ihr einen tollen Abschluß macht. Damit ihr später einen tollen Job habt. Damit es euch an nichts fehlt.

Und dachten nicht ans JETZT: An eure Kindheit.

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Und ob ihr später damit überhaupt glücklich sein werdet, mit dem tollen Job, mit den tausenden von Euros auf dem Konto, mit dem Sportwagen und den vielleicht  reichen und erfolgreichen „Freunden“.

Das ist doch das, was man will, oder? Sich glücklich kaufen.

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Unsere Fehler – Euer Leid

Wir haben viele Fehler gemacht. Weil wir es nicht besser wussten. Weil man das so macht. Weil wir auch so erzogen wurden. Weil ihr erst nach und nach daran fast zerbracht. Ihr habt gekämpft bis zum Schluß.

 

Vor 2 Jahren war Schluß.




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Hallo neues Leben!

Die Medikamente haben wir damals eingestellt, genauso wie die Erziehung. Wir haben uns nach Alternativen umgesehen, denn es gibt immer 2 Wege.

Wir mussten nur unseren finden.

Vor 2,5 Wochen war es soweit. Während  sich viele auf ihre Einschulung freuten, freuten wir uns, dass wir dieses System verlassen können.

Ihr passt dort einfach nicht hinein.

Wir passen dort nicht mehr hinein.

Warum haben wir so viele Jahre vergeudet, es zu versuchen?

Es ist merkwürdig diesen Weg zu gehen, denn meine Schulzeit war mit die schönste in meinem Leben.

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Einschulung²

Ihr wurdet zum letzten Mal neu eingeschult: in eine freie demokratische Schule.

In eine Schule, in der ihr sein könnt. In der ihr machen dürft. In der ihr wieder zu euch findet.

Und lernt. Nur dieses mal mit Spaß und mit Kindern, denen es so geht wie euch. „Unerzogene“ Kinder, die nicht ins System passen wollen. Und nicht müssen. Weil sie können.

Denn sie haben Eltern, die so sind wie wir: Freidenker.

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Danke an Julia Rose Greim für die wunderschönen Fotos unserer Day in the Life Reportage

 




 

2 Gedanken zu „Bye Regelschule – von Mobbing, Fehlerhaftem Verhalten, Erziehung und dem Erwachen

  1. Ein ehrlicher Brief, der mich zu Tränen rührt.
    Deine Texte zur freien Schule haben bewirkt, dass ich mein Kind im kommenden Jahr nicht an einer Waldorfschule anmelde, wie es ursprünglich mein Plan war. Sondern, dass ich alles daran setze einen Platz in einer freien Schule für ihn zu bekommen. Dafür würden wir sogar das Bundesland verlassen und 800 Km weiter weg ziehen.
    Ich freue mich für eure Familie, dass ihr nun aufatmen könnt, dass es losgehen kann mit dem schönen Leben! Ihr habt das toll gemacht! Ihr macht das toll!
    Liebe Grüße von Summer

  2. Wow! Ich bewundere euch und euren Mut, Eure Entschlossenheit und eure Entscheidung! Ich bin gleichzeitig schockiert und wütend über das was ihr und eure Kinder erleiden musstet. Ich wünsche euch allen das Allerbeste und hoffe das ihr nun endlich wieder richtig glücklich sein könnt!
    Mein Sohn ist gerade drei geworden, also liegt die Schule noch etwas weiter weg, aber ich mache mir natürlich schon Gedanken darüber. Deine Artikel haben mich sehr inspiriert und mein umdenken weiter gefördert, neue Wege aufgezeigt. Ich werde mich auf jeden Fall auch mal nach Alternativen umsehen. Ich habe so viele Fragen und hoffe Antworten zu finden. Ich bin sicher dich erreichen jeden Tag etliche Fragen zu all diesen Themen.

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