Die Wahrheit.

Ich hab euch angelogen bei „Ich habe keine Mutter mehr“ . Vielen von euch war das anscheinend klar. Viele haben mich direkt angesprochen. Ihr habt es gemerkt. Das hätte mir von Anfang an klar sein müssen.
Es gibt keinen Anonymen Gastblogger.
Wer, wenn nicht ihr, könnte das besser verstehen, als das man sich für seine Vergangenheit schämt.
Wer hätte mit solchen Reaktionen seit vorgestern gerechnet? Unglaublich! Überall habt ihr mir euer Herz geöffnet, bei facebook, bei Insta, hier im Blog – sogar Eltern.de hat es veröffentlicht und fast 600 „gefällt mir“ (obwohl das hier eher nicht passt) und über 100 Kommentare bekommen. Wir sind nicht allein!
Ich will kein Mitleid, das kommt noch hinzu. Ich will aber auch nicht lügen. Ich will verarbeiten und lernen. Ich will euch die Hand reichen, ich will, dass ihr nicht denkt, ihr wärt allein, selbst Schuld an eurem Leben.
Diesen Beitrag hierdrunter habe ich im Februar geschrieben, soeben aus dem Papierkorb geholt, denn ich habe gesehen, ich brauche mich nicht verstecken, ich habe die allergeilsten Follower überhaupt. Ich habe echte Menschen bei mir. Ihr habt mich alle zu Tränen gerührt, ich danke euch für die vielen lieben Kommentare, ich danke euch, dass ihr eure Geschichte mit mir teilt, ich danke euch für eure Ehrlichkeit, daher kann ich nicht länger so tun, als ob das nicht meine Geschichte wäre. Es ist WAR mein Leben.
Ich hoffe, ihr verzeiht mir. <3
Metterschlingundmaulwurfn

Das könnte eine meiner Überschriften sein.

Manchmal frag ich mich nämlich, was ich euch so schreiben soll, ohne euch anzulügen.

Was ihr so lesen wollt, ohne eine Rolle zu spielen.

Warum ihr bei mir seid.

Ich freu mich darüber – keine Frage.

Ich bin aber weit weg von Perfekt und mein Leben war alles andere als rosarot, nicht so wie bei den meisten Bloggern.

Kein Wochenendposting, kein vegan, kein extrem Nachhaltig. Kein Dauer-Friede-Freude-Eierkuchen.

Ich hätte euch eine Menge zu erzählen, so ist das ja nicht …

Das Bloggen hat auch was vom Psychologen.

Tagebuch schreiben, mit dem Wissen wann man aufhören muss.

Doch wie weit kann man gehen?

Kann ich mein ganzen Leben veröffentlichen?

Kann ich meine Biographie wem antun?

Kann ich es den Leuten antun, die dafür verantwortlich sind?

Was hat das für Nachwehen?

Das für, und wider …

Abwägen …

Oder soll ich euch eine heile Welt vorspielen?

Die perfekte Kindheit vormachen, die ich nie hatte?

Das super Elternhaus, was ich nie kennenlernte?

Soll ich euch weiß machen, ihr wärt für euer Leben, eure Vergangenheit selbst verantwortlich, selbst Schuld, weil meines „so toll“ war?

Oder wollt ihr die Wahrheit?

Könnt ihr die vertragen?

Oder ist das dann zu heftig für euch?

Flüchtet man nicht auch in das Internet?

Weil Real alles scheiße ist?

Wollt ihr, dass ich lüge?

 

Brauch ich es, euch die Wahrheit zu sagen?

Brauch mein ICH diesen Abschluss?

In meinem Leben ist soviel scheiße gelaufen, ich könnte ein ganzes Buch schreiben. Oder 2.

Mein Vater der Alkoholiker, der mich das letzte Mal mit 8 wahrnahm.

Mein Opa mütterlicherseits, der Psychopath, der nicht nur meine Oma mit einer Pistole öffentlich bedrohte.

Das Scheidungskind in mir, dass weder Mutter noch Vater hatte.

Die Mutterliebe, die ich nie bekam, weil mir schon vor meiner Geburt mitgeteilt wurde, man will mich nicht.

Die (Ur)Oma, die nicht nur mir damals, sondern dann auch meinen Kindern versucht hat zu erzählen, deren Mutter wäre eine Drecksau sie aber ist die Allertollste.

Der Umzug mit 15, 300 km von meiner Heimat weg; ein Weltuntergang. Keine Familie mehr.

Der Auszug mit 16, ohne jegliche Unterstützung.

Wollt ihr sowas wirklich wissen?

Was macht es mit mir, wenn ich es NICHT verarbeite?

Was kann ich für die Fehler anderer?

Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich mein Leben, meine Erfahrungen, meine Erinnerungen aufschreibe?

Kann man mir das vorhalten?

Und dann fällt mir ein:

Ich hatte ein ganz normales Leben.

Wie wahrscheinlich 80 % von euch auch.

Ein Scheißleben.

Wozu soll ich mich schämen, mich verstecken, für Dinge, die ich nicht tat?

Perfekt gibt es nicht.

Auch wenn das Internet uns das weiß machen will.

Jeder hat seine Leichen im Keller.

Jeder.


Warum ich all das nicht allein verarbeite?

Weil der Beitrag „Ich habe keine Mutter mehr“ mir gezeigt hat, ihr braucht das genauso wie ich.

Jemanden, der dieselben oder ähnliche Erfahrungen hat. Um daran zu wachsen. Wir brauchen kein Mitleid.

Wir wollen kein NO GO mehr sein.

WEIL.WIR.BESSER.SIND.




19 Comments

  1. Wie heißt es so schön:“ Nur die Wahrheit bringt dich weiter, die Lüge holt dich ein und zurück.“
    Darum, JA, du darfst ehrlich sein und ja, man will auch sowas lesen, aber nicht nur! Sonst wird es „mühsam“. Ich lese deine Beiträge so gerne, eben weil ich mir denke dass sie gerade heraus geschrieben werden und nicht versucht wird alles gut zu reden! Bitte mach weiter so und lass dich nicht unterkriegen 😉

  2. Ich bin ein stiller mittleser, und wollte dir nur mal sagen
    „NEIN! DU BIST NICHT ALLEIN“
    In so vielen Blog Einträgen finde ich mich wieder!
    AGORAPHOBIE ! ! ALKOHOLIKER KIND ! ! NICHTS WERT SEIN ! ! EINE MUTTER HABEN WO KEINE IST ! ! BEI MIR KAM NOCH SEXUELLER MISSBRAUCH !! USW ………
    Ich könnte auch ein Buch schreiben.
    Aber weißt du was, WIR sind Eltern, und wir versuchen das beste daraus zu machen! Und an unseren großartigen Kindern sieht man, wir sind nicht perfekt, aber wir geben mit unserer LIEBE DAS BESTE!
    Wir sind Kämpfer, und wir lassen uns nicht zerstören!
    DANKE FÜR DEINEN MUT, DENK DARAN ☆DU BIST WAS BESONDERES☆!

      1. Das wünsche ich DIR UND ☆DEINER FAMILIE☆ auch von GANZEM HERZEN ! !
        Selbst jetzt, nur die paar Zeilen zieht es mir den Magen zusammen. DIE SCHEIß VERGANGENHEIT wird uns unser Leben lang begleiten.
        Aber jetzt gerade, wo ich zur meiner Tochter ins Zimmer bin um gute Nacht zu sagen, da weiß ich dass es sich lohnt KÄMPFER zu sein!

        Ich drück dich ganz fest KÄMPFERIN ♡♡♡♡♡♡

  3. „Kann ich meine Biographie wem antun?“ die wahrheit ist, 1. ich hatte deine skrupel nie (aber das kam hochwahrscheinlich daher, weil meine mutter so für den blindesten offensichtlich böse war, als ich älter war) und 2. du hast nicht im mindesten eine ahnung, wieviel an…heilung? niemand kann es heilen, wenn du eine sch***mama hattest, die dir geschadet hat, anstatt mut zu machen, anstatt liebe zu geben…DU hast vielen frauen da draußen eine stimme gegeben, selber über ihre giftigen mütter zu reden, über die zeiten, wo man sich verrenkt, um deren anforderungen zu genügen, über den ewiglangen prozeß, irgendwann die kraft zu finden und zu denken:“nö, dastu ich mir jetzt einfach nicht mehr an!“

  4. liebes metterschlingundmaulwurfn *packung taschentücher reicht* meine eigene tochter hat mir heute gezeigt, das ich trotz all dem in meiner kindheit, ne ganz passable mama geworden bin, trotzdem wir in unterschiedlichen neurotribes sind, sie pur adhs, ich adhs mit autistischen zügen, irgendwas muß ich trotz allem richtig gemacht haben:“Mama❤
    Dieser Kuss ist nur für dich
    Weil du einfach die tollste Mama bist ☺
    Wir hatten wirklich viele Höhen und tiefen und ich war nicht immer einfach und hab dir sicherlich auch viele schlaflose Nächte beschwert. Aber es hat sich gelohnt! Aus dem kleinen schmollenden Mädchen ist eine Erwachsene Frau geworden. Viele Dinge die du mir sagtest habe ich erst verstanden als ich meine Kinder bekommen habe . Du hast immer dein bestes gegeben und nur weil du immer alles und mehr gegeben hast bin ich jetz eine tolle Mama 😊
    Ich wollte mich bei dir für alles bedanken und dir mal DANKE sagen für all das was du in den letzen 22 Jahren für mich getan hast. Ich liebe dich und auch wenn uns 600 Kilometer trennen bist du immer an meiner Seite und ich weiß das ich auf dich bauen kann. Danke das du dich für mich entschieden hast und das du meine Mama bist❤ Alles gute zum Muttertag“

  5. ps: ich bin nicht zuletzt, trotz allem was mich und mein kind behindert hat, ne gute mutter geworden, WEIL ich mir (für mich) ersatzmütter gesucht habe, freundinnen, die „mutter-sein“ richtig gut konnten, und für die es irgendwie selbstverständlich war, ab und an, dann und wann, ne meinung zu haben, oder ne schulter zum ausweinen, oder nur ein ohr um zuzuhören

  6. metterschlingundmaulwurfn jep, ich habe ne wundervolle tochter, ne kämpferin, mit fangzähnen, mit nem herz aus gold und mit einer reichweite an geduld….du einfach nur WOW ist, ist mit sicherheit nicht nur mein werk,ich hab früh gespürt, das ich für manche „mama-dinge“ nicht tauge, und hatte (den göttern sei dank) immer liebevollen ersatz, der einsprang…

  7. Du bist sehr mutig 💚. Der Weg, den wir alle gehen, heißt kämpfen. Aber es lohnt sich mit Tabus zu brechen. Für uns und für unsere Kinder. Ich drück dich. 🙋

  8. metterschlingundmaulwurfn das hatte mit glück wenig zu tun, ich bin adhs mit einem hauptbahnhof an autistischen zügen, meine tochter war nur adhs, da war nich mal ne autistische lok im spiel, also alles was mir mein leben rettete, listen, terminkalender, ablaufpläne, exel statistiken, war meinem kind so fremd wie ein ostasiatiatischer slang

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