Schäm dich!

schäm dich

Mit 16 ausgezogen, mit 18 ein Kind.

Was soll bloß aus dir werden?!

Keinen Abschluß, keine Ausbildung!

Ein Kind nach dem anderen.

Du musst Vorbild sein!

Dann darf ich das hier nicht schreiben.

Aber ich werde es schreiben.

Bewusst.

Weil das Leben kein Plan ist.

Und selbst wenn, Pläne scheitern auch.

Ich müsste mich verstecken. Wie viele andere auch.

So ungebildet.

Ein Nichts.

Nur eine Mutter.

Ich sag euch was:

Ich wollte Mutter sein.

Ich wollte für meine Kinder da sein.

Immer dann, wenn sie mich brauchen.

Ich wollte von zu Hause aus arbeiten, oder zumindest nur dann, wenn sie in Schule oder Kindergarten sind.

Ich bin schon immer gegen den Strom geschwommen.

Nein, das war nicht immer gut, viel Scheiße habe ich in meinem Leben schon gefressen.

Abwärtende Blicke geerntet, dumme Sprüche angehört.

Meine „Familie“ schämte sich schon immer für mich – schwarzes Schaf – mäh.

Ich konnte machen, was ich wollte, es hätte nie gereicht – ich wurde immer belächelt.

Nach unserem Umzug  – 300 km von meiner Heimat entfernt – mit 14, war es auch Trotz alles hinzuschmeissen, klar.

Meine „Familie“ hat mir meine Familie genommen.

*

Damals war ADHS noch nicht so bekannt.

Je mehr ich mich damit beschäftige, umso deutlicher wird es das ich es auch habe.

ADHS bei Erwachenen.

Trotzköpfig, orientierungslos, sich keine Sorgen machen.

Einfach leben.

Ist das immer so verkehrt?

*

Ich war noch nie „für den Plan des Lebens“.

Ausbildung/ Heiraten/Haus bauen/ Kind bekommen/ Baum pflanzen

Für mich ergab das keinen Sinn.

Entweder ich habe Erfolg im Job oder ich bin Vollzeitmutter.

Ich wollte keine Mutter sein, die ihre Kinder nur abends für 2 Stunden sieht. Sich zerreisst.

Ganz oder gar nicht.

Ich wollte für meine Kinder da sein, dann wenn sie mich brauchen.

In der Zeit, wo sie im Kiga und Schule sind, kann ich für meinen Job da sein.

Was ist das Wichtigste im Leben?

Nicht das Geld, nicht der Job, sondern dein Fleisch und Blut.

So denk ich.

Jeder sieht es anders, natürlich.

Und keine Ausbildung haben, ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

Aber mich hätte man damals (mit nur einem Kind) schon nicht mehr eingestellt.

Schubladendenken …

Mit 18 ein Kind?

Kann nur ein Unfall gewesen sein.

Nein war es nicht. Es war gewollt. Alle waren gewollt.

Von „geplant“ kann keine Rede sein – denn Kinder kann man nicht planen – sie passen NIE in dein Leben.

Hast du einen Job – kannst du mit Kind nicht richtig arbeiten. Kind = arbeitslos.

Hast du keinen Job, kannst du dein Kind nicht ernähren.

Ein Hoch auf unsere arbeitenden Männer.

Und die „Heimarbeit“.

Bist du arbeiten, wirst schwanger – scheidest du für 3 Jahre aus – danach hängst du beruflich so hinterher, dass dein Chef (meist) froh ist, dich loszuwerden. Natürlich nicht immer!

Bist du nur ein Jahr in Elternzeit, bist du eine schlechte Mutter, die keine Kinder bekommen dürfte.

Ja was denn nun?

Befreit euch von dem Gedanken, es allen recht zu machen.

Das geht nicht.

Entweder oder. Oder entweder und oder oder?

*

Ausbildung.

*

Selbst mit 24 wusste ich nicht, was ich werden wollte.

Die Zeit verstrich. Ich wurde zu alt.

Wenigstens meinen erweiterten Abschluss habe ich in einer Schwangerschaft nachgeholt. Und bis heute nicht gebraucht. War nur für mich. Ich bin ja nicht blöd.

Ausbildung. Als was?

Mit ADHS gehe ich voller Herzblut an neue Sachen ran – die mich interressieren – um sie dann kurze Zeit später wieder komplett zu ignorieren.

Sollte ich es riskieren, drei Jahre lang einen Beruf zu erlernen, den ich nie ausüben möchte?

Ausbildung(en) schmeißen?

Also immer wieder Nebenjobs.

Zum Glück kam dann Kind 3, er hat gesabbert wie ein  … ich finde keinen Vergleich^^. Er war immer nass. Wirklich Immer. Bis zum Hosenbund.

Für Dreieckstücher war ich zu geizig, 10€ für ein unifarbendes Tuch. Hallo???

Wir brauchten 20 am Tag… ^^

So kam ich zum nähen.

Und blieb dabei.

Bis heute.

Das Kreatief mal außen vor, ist es das, was ich bis an mein Lebensende machen möchte.

Und Bloggen natürlich.

Eine kreative Erweiterung mit viel Abwechslung. Mein eigener Boss sein.

Mit Spaß an der Freude, mit Herzblut über viele Jahre schon.

Das ist selten mit ADHS.

Eine Ausbildung als Schneiderin?

Mit Kindern unmöglich, ich habe überall nachgefragt, örtliche Betriebe bilden darin gar nicht mehr aus (zumindest hier).

Wir müssten umziehen, da das Studium in Hannover wäre.

Oder ich bräuchte Babysitter, dann wäre ich aber nicht immer greifbar, (m)ein Widerspruch.

Das Leben ist kompliziert.

Aber wenn man weiß, was einem wichtig ist, dann ist es gar nicht so schwer:

First: Meine Familie.

Dann: mein Job.

So einfach.

Hauptsache, wir sind glücklich.

Reich (im Sinne von „beide gehen Vollzeit arbeiten“) braucht man dazu nicht sein 😉

*

Sei Stolz auf das was du hast. Niemand hat das Recht dich zu verurteilen.


Allerdings werde ich meine Kinder darin unterstüzen, eine Ausbildung zu machen.

😉 Das Gelbe vom Ei und so ^^

ABER selbst wenn sie auch früh Eltern werden würden, wären wir für sie da.

Eine Lösung wären Systeme wie in Norwegen




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