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Trotzkopf

Davon gehört habt ihr alle.

Vieleicht sogar verstörend mit angesehen.

Und manche von euch mussten es selber erleben:

Die Eskalation zwischen Mutter und Kind.

Diese innerliche Explosion, die nur bei einem der beiden aktiven Teile herrausbrechen „darf“.

Der Kampf, der sich in jedem Alter wiederholt. Immer und immer wieder. Und dann noch mal.

Die Trotzphase.

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Besonders intensiv, wenn die Kinder noch einen Wachsstumsschub haben, oder Krank sind, Zähne bekommen oder die Schokodrops alle sind. Zumindest kommt es mir so vor. Eventuell rede ich es mir auch nur schön.

Trotzphasen bei Babys halten sich noch in Grenzen. Man kann es ganz gut händeln. Beim ersten Monster hat Mama noch genug Zeit sich schlau zu lesen, Verständnis aufzubringen und nimmt das trotzige Kind noch liebevoll in den Arm.

Egal was der Trotzkopf macht.

Es ist ja nur eine Phase…

Bei Kind 2 ist man „Profi“. Mit viel Glück klappen die Tricks von Kind 2. Wenn nicht verzweifelt man kurz, fängt sich wieder und ist wieder der perfekte Boxsack.

Wenn du aber 4 Kinder hast, so wie ich, dann lernt Nummer 4 von seinen Geschwistern 1, 2 und 3. Denn Nummer 4 muss sich richtig durchsetzen, und das nicht nur bei Mama und Papa …

Wie bei uns momentan… Argh

Denn … ja … neben dem Zahnen und dem Wachsstumsschub ^^ wird hier richtig getrotzt.

Alles auf einmal ist schon ein Highfive – in your Face. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Wegen nichts wird getrammelt und protestiert. Und nein, dafür hat man bei Kind 4 kein (liebevolles) Verständniss mehr. (Aber Erfahrung. Und Wissen.) Was man auch nicht hat, ist Zeit. Zeit sich ausgeprägt mit dem Trotzanfall zu befassen. Zu versuchen darüber zu reden. Nicht weil man sich die Zeit nicht nehmen will, nee. Man weiß einfach, es bringt nichts. (Für die Miesmacher: Nicht verwechseln mit „ich will mir keine Zeit nehmen“ 😉 )

Denn als Mama kannst du in einer … nennen wir es „Ausnahmesituation“ … alles nur falsch machen. Also, abwarten und Tee trinken. Literweise.

Ich erzähl euch mal die schlimmste Story die mir bis jetzt als Mutter passiert ist: Gehen wir 2 Jahre zurück:

Die Trotzphase kurz vor der Einschulung. Mütter, die ihre Kinder schon in der Schule haben werden sie wahrscheinlich kennen. Die Kleinen sind dann nämlich nicht mehr klein, denn sie kommen ja schon in die Schule, sind praktisch schon erwachsen.

Und da haben Mama und Papa nichts mehr zu melden … Zumindest nicht in den Trotzschüben.

Vor 2 Jahren also waren wir bei einer Schulveranstaltung der großen Schwester, die Zeiten waren so genial gelegt das es von 18:00 bis 21:00 Uhr lief…

Mitten in der Woche.

Mit (ausschließlich) Kuchen auf dem Buffet.(Ok…die 10 Brezeln waren aber sofort weg)

Und einer halbstündlichen Pause zwischen der Veranstaltung.

Die erfahrenen Eltern werden wissen, was jetzt kommt:

Die 5-jährige Erwachsene möchte Kuchen (19:30 Uhr).

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Mama zwischert liebevoll: „Nein, wir essen gleich zu Hause zu abend (ausserdem hast du gerade gegessen). Jetzt gibt es nichts Süßes mehr.“

BÄM!!!
Zack – war alles anders. In Sekundenschnelle hatte ich die Augenpaare ALLER Eltern (und Kinder, und Lehrer, und Omas, und Opas, und gefühlt ALLE aus dem Dorf – ich glaub sie sind sogar extra aus ihren Häusern gekommen) auf mir, denn die Erwachsene WILL JETZT KUCHEN!

Jede Sirene wäre vor Neid erblasst und ich habe mir noch nie zuvor so sehr gewünscht, dass mich der Boden frisst. Das hysterisch schreiende, heulende Kind, das in einer Tonlage schrie, die wahrscheinlich nur noch Hunde hören können, saß (zum Glück nur) auf dem Boden und lies mich nicht mal zu Wort kommen. Wir standen alle nur ratlos um sie herum und wussten nicht, ob wir lachen oder weinen sollten. (Ich hätte da schon nicht mal mehr einen Anflug von Chance gehabt nachträglich nachzugeben)

Yeah! Einer der definitiv schlimmsten Momente des Mamadaseins. Phhhfff  – Tief durchatmen.

Noch viel schlimmer war die Tatsache das ich hochschwanger war, was heißt meine Hormone wären mit mir am liebsten durchgegangen und ich hätte das kreischende Etwas am liebsten am Hosenbund nach Hause getragen. Grrrrr. Hätte aber nicht geklappt, da sie auch noch nach uns schlug. Richtiger ausgewachsener Trotzanfall eben.

Super.  Ich, hochschwanger, und eines von schon 3 Kindern dreht total durch. Öffentlich. Vor allen. Was war ich in dem Moment glücklich, jeden zu kennen *ironieaus.

Nachdem der Versuch scheiterte, das ich ihr zähneknirschend aber freundlich ins Ohr flüsterte,wenn sie so weiter macht bekäme sie Haussarrest, Fernsehverbot und Süßes gibt`s dann auch lebenslänglich nicht mehr, versuchte ich Fallstrick Nummer 2: dem Fehlverhalten von mir mit dem Trotzkopf in eine – von ihrer Seite aus sehr lauten – Diskussion  einzugehen. Auch gescheitert. Also bin ich dann einfach heulend gegangen.

Ja, ich bin wirklich einfach gegangen. (Der Papa stand natürlich noch neben ihr – hielt sich aber bis dahin raus,… Schock oder so 😉  )

Und ja ich hab fast geheult. Wie ein trotziges Kind.

Die Schulveranstaltung war somit für uns alle beendet.

Aber seien wir mal ehrlich; alles, was ich gemacht hätte, hätte die Situation noch mehr gesprengt. Hat ja auch nichts gefruchtet. Und auch heute, 2 Jahre später weiß ich nicht, was hätte funktionieren sollen.

Vielleicht war es psychologisch nicht das ratsamste, aber es war auf jeden Fall die einzige Möglichkeit, nicht vor allen in die Luft zu gehen. Ich war so wütend auf sie, und auf mich. Hab ich mich doch auch dazu hinreissen lassen mit ihr zu diskutieren (was ja alles noch schlimmer gemacht hatte), statt einfach nur zu lächeln und abzuwarten.

Wie konnte mich mein eigenes Kind nur so bloß stellen?!

Hab ich als Mutter versagt?

Was für eine Strafe bekommt sie nun?

Argh … das sowas ausgerechnet MIR passieren musste…

!

Was war nur los mit ihr? :/

 

Ich hab mich dann dazu entschlossen gar nichts zu machen. Keine Strafe, kein Wort, kein Blick. Für 10 min.

Dann kam sie und hat sich entschuldigt.

 

2 Wochen lang habe ich trotzdem vermieden, irgendwem über den Weg zu laufen.

Man, war mir das peinlich! Augenkontakt wurde vermieden. Und wenn ich wen sah und auch noch mit ihm sprechen musste, kam ein „hach ja… das haben wir alle schon durch“

Ja schön, aber das ist trotzdem scheiße gelaufen. Das muss ich echt nicht noch mal haben…

 

Und deshalb … vermeide ich momentan solche Situationen in unserer jetzigen Trotzphase tunlichst -zeigefingerhoch, denn: nochmal will ich durch diese Hölle nicht durch. Welch Glück, dass es das erste und einzige mal bei 4 Kindern war, #aufHolzklopf.

ABER

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Jetzt kommt das „Aber“ … Natürlich haben unsere sonst so lieben Kinder ihre Trotzphasen nicht ohne Grund.

Sie bekommen sie nicht, um mit uns zu konkurrierern oder um uns einfach nur zu ärgern.

Auch sind es keine Klugscheißer und schon gar nicht sind sie falsch erzogen.

 

Nein, Trotzphasen sind ein wirklich sehr wichtiger Bestandteil ihrer Entwicklung. Wirklich!

Und so weit es geht, sollte man sie diese auch ausleben lassen. Echt jetzt. Öffentlich vieleicht nicht unbedingt^^ …, aber zuhause.

Warum fragst du dich? Kinder müssen doch funktionieren? Sie dürfen nicht aufmüpfig ihren Eltern gegenüber sein?

Doch! Sie müssen sogar!

Nirgendwo fühlen sich Kinder geborgener als bei Ihren Eltern, und nur dort haben sie die Gewissheit, „es kann uns nichts auseinander bringen“. Die Sicherheit der elterlichen Liebe bestärkt sie darin, sich auszuprobieren. Zu schauen „wie weit kann ich gehen“, ohne das ich verstoßen werde. Dort draußen in der großen weiten Welt gibt es auch Regeln. Ungeschriebene Gesetze. Und die Aufgabe von uns Müttern und Vätern ist es halt, unseren Kinder beizubringen wie weit sie gehen dürfen. Und deshalb gibt es Trotzphasen. Mal mehr mal weniger, aber jede(r) geht da durch. Die bekannteste Trotzphase ist übrigens die Pupertät ^^ .

Auch müssen sie mit Wut umgehen können. Sie müssen wissen, wann ist Schluß, was sind die Konsequenzen, und vorallem: wie komme ich da selber wieder raus.

 

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf macht es einen ja dann eigentlich auch schon stolz, je trotziger sie dann sind 😉

Schließlich wollen wir doch alle selbstbewusste Kinder, die sich nicht unterbuttern lassen, Kinder, die sich durchsetzen können, Kinder, die NEIN sagen können, Kinder die wissen wo ihre Grenzen sind.

Denn… starke Kinder braucht die Welt.

Und irgendwann sind sie ja auch wieder kleine Engel <3

 

Wie geht ihr mit solchen .. ähm… „Anfällen“ um?

 




4 Gedanken zu „Trotzkopf

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