ArtikelAuf in ein neues Leben

Underachiever – Schulverweigerung schon in der Grundschule

„Das eigentliche Problem hochbegabter Underachiever stellt eine chronische Unterforderung im Unterricht dar, die zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann, die nicht als unrealisiertes Begabungspotential, sondern häufig als Verhaltensstörung verstanden werden. Zwar ist nicht jedes auffällige, träumerische, faule, kaspernde oder schulmüde Verhalten ein Zeichen für ungenutzte Begabung oder Talente, doch müssten Lehrkräfte in der Lage sein, zumindest diese Möglichkeit als Erklärung mit heranzuziehen (URBAN 1996). Sonst laufen hochbegabte Underachiever Gefahr einer Schulart zugewiesen zu werden, die ihren Fähigkeiten noch weniger entspricht als die bisherige.“

Quelle Wikipedia

 

Geschrieben am 01.09.2017

Deine Kindergartenzeit

Im letzten Jahr des Kindergartens, hast du dich so auf die Schule gefreut. Du wolltest endlich richtig rechnen können, denn das „bisschen“ was du schon konntest, hattest du dir schon längst selber beigebracht. Du warst wissbegierig, hungrig auf neues, wolltest mehr erlernen und hast die Tage bis zu deiner Einschulung gezählt.

Du, mein damaliges aufgewecktes Kind. Was voller Neugier und mit einem strahlen die Welt entdeckt hat. Du stelltest viele Fragen, hast dir Unmengen aus Büchern und Dokumentationen selber beigebracht, hattest genaue Vorstellungen von dem, was du werden wolltest, konntest alle Dinosaurier benennen und deren Merkmale aufzählen.

Du liebtest es zu puzzeln, zu malen, stundenlang konntest du allein Lego und mit Dinos spielen.

Du, mein geliebtes Kind, hattest im Kindergarten viele Freunde. Warst zwar anfänglich nicht gern dort, aber auch damit kamst du irgendwann klar und wolltest teilweise nicht mal mit nach hause; wolltest, dass ich dich als letzten abhole, damit du mit deinen Kumpels bis zum Schluss entdecken und spielen konntest.

Die Schuluntersuchung

Bei der Schuluntersuchung sagte man uns schon, dass du ein „pfiffiges Kerlchen“ seist. Das wussten wir natürlich, was aber auch ein Grund war, weshalb wir dich nie gefordert haben. Wir wussten von deiner Liebe zu zahlen und dem rechnen, aber wir wollten nicht, dass du dich in der Schule langweilst. Also haben wir dir kein „Futter“ gegeben. Du hast es dir selber geholt.

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Die Einschulung

Als du endlich eingeschult wurdest, warst du so stolz. Du wolltest am liebsten schon gleich den ganzen Tag da bleiben.

Leider lies diese Begeisterung schon in der ersten Woche nach. Kurze Zeit später sagtest du, du möchtest da nicht mehr hin. Es sei langweilig und doof. Ich sagte dir, dass es bestimmt bald besser wird, in der ersten Klasse lernt man doch soviel; lesen, schreiben, rechnen – das macht Spaß.

Der Anfang vom Ende

Die Wochen und Monate vergingen und du wurdest immer ruhiger, distanzierter, trauriger. Dein Strahlen erlosch fast komplett. Du zogst dich in deine eigene Welt zurück und hast fast keinen mehr an dich ran gelassen.

Mein Kind, welches früher super gerne half, immer bereit war einzuspringen und mitzumachen, hatte plötzlich keine Lust mehr irgendetwas zu machen. Deine Toleranzgrenze war auf dem Nullpunkt. Deine Emotionen explodierten regelrecht, wenn du dich überfordert fühltest. Und das schon bei Alltäglichen Dingen wie „Deckst du bitte den Tisch.“.

Du wurdest in deiner Schulzeit oft krank. So kamen wir am Ende der 1. Klasse schon auf 30 Fehltage und einem Bußgeldbescheid in Höhe von 50€.

 

Mobbing

Ich weiß nicht genau, wann in den ersten Wochen ich dich verlor, aber ich hörte alle Alarmglocken läuten. Du musstest nun mit mir reden. Ich ließ dich jetzt nicht mehr in Ruhe.

Ein paar Wochen nach der Einschulung fand ich endlich raus, was los ist. Und das nicht mal von dir, sondern von deiner Schwester.

Du wurdest gemobbt.

Und du schämtest dich ungemein. Du wolltest es allein -ohne mich- regeln  , weil du schon so groß bist. Du kanntest Gewalt nicht und wusstest natürlich nicht, wie man mit so einer extremen Situation umzugehen hat.

Während du mir von den Misshandlungen deiner Mitschüler und der Ignoranz der Schule erzähltes, konntest du mir nicht mal in die Augen schauen.

Mir brach das Herz.

Ich gab mir die Schuld. Mütter sind doch immer schuld.

Warum hab ich dir nie beigebracht zurück zuschlagen?

Warum habe ich das nicht gemerkt?

Warum habe ich dir die Zeit gelassen, dich zu verkriechen?

Du stecktest nur ein, ohne dich zu wehren. Warst dadurch ein leichtes Opfer.

 

Macht die Augen auf!

Heute weiß ich, dass du dich im Stich gelassen gefühlt hast – von deiner ehemaligen Schule, die einfach weg geschaut haben – oder noch schlimmer – dir die Schuld gaben. Sie hielten es nie für nötig mich über irgendwelche „Zwischenfälle“ zu informieren, vorausgesetzt, dass sie es denn mitbekommen haben.

Wer solche Erfahrungen sammelt – dass man von Erwachsenen im Stich gelassen wird – sucht wohl kaum weiter nach Hilfe.

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Das erklärte vieles. Aber nicht alles.

Wir bewiesen dir dann, dass man sich sehr wohl auf Erwachsene verlassen kann.

Um in der Zwischenzeit von einem Betreuer am Hals zu Boden gezogen zu werden.

Ein 3/4 Jahr lang hattest du schon unter deinen Mitschülern gelitten. Nun kam die Situation mit dem Betreuer dazu.

Deine Hilflosigkeit, die Enttäuschung und die Wut gegenüber einer Schule konnte man regelrecht spüren.

Sind Kinder Opfer?

Wir hatten viele Kämpfe im letzten Jahr.

Das, was du allerdings daraus gelernt hast, war tiefgreifend:

Erwachsene dürfen Kindern anscheinend gegenüber handgreiflich werden und es passiert nichts, trotz vielen Gesprächen mit den Verantwortlichen.

Schüler können dich würgen und zusammen schlagen, und es passiert nichts außer ein paar Gespräche.

Du trautest dich und sagtest endlich etwas zu den Lehrern, und du bekamst die (mit)Schuld, weil 3 gegen 1.

Reden, reden, reden. Bla, bla,bla … Keine Konsequenzen. Kein Schutz. Nichts für deinen Gerechtigkeitssinn.

Im Gegenteil, meist wurde uns noch versucht einzureden, du wärst an den Situationen selbst schuld und wir sollen uns doch nicht so anstellen…

 

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Die Sommerferien

Die Sommerferien konnten uns endlich die lang ersehnte Pause geben, wir konnten Kraft tanken, wir fanden wieder richtig zu einander. Wir haben sehr vieles aufgearbeitet.

Zeugnisse

Aber vorher gab es Zeugnisse.

In deinem Stand:  „… soll mehr auf seine Mitschüler zu und eingehen. …  stört seine Mitschüler im Unterricht … “ Und noch mehr. Im Grunde war dieses Zeugnis ein „Armutszeugnis“. Von 5 Seiten standen gerade mal 3 Sätze drin, die halbwegs positiv waren. Das ich mit dem (generellen)  Zeugnis und seiner Herangehensweise der „Erziehung der Schüler“ absolut nicht einverstanden war (und bin) war der i Punkt auf einer langen Liste von Geschehnissen dieser Schule. Wie soll ein Zeugnis motivieren, wenn dort fast ausschließlich schlechtes steht?

Ich habe nun schon 9 Grundschulzeugnisse gesehen und keines war so von oben herab wie dieses.

Kraft tanken

In den Sommerferien konntest du dich wieder fangen. Du gingst wieder raus. Hast wieder gelacht. Gemacht. Konntest deinen Kopf wieder empor heben.

Freiwillig.

Du wurdest wieder offener.

So offen, dass du endlich richtig darüber sprachst, dass dir auch in der Schule langweilig ist. Und du da nie wieder hingehen willst. Nie wieder.

Wir führten sehr viele Gespräche. Ich wollte herausfinden warum das so ist, habe erklärt, dass wir keine andere Wahl haben „alle anderen müssen ja auch“, wollte herausfinden ob du eventuell doch noch gemobbt wirst. Ob du schlichtweg „faul“ bist. Oder ob du vielleicht sogar unbeschulbar bist.

Wir sprachen über Schulwechsel.

Wir sprachen über Wünsche.

Über deine Vorstellung.

Über deine Traumschule.

 

Was du sagtest machte Sinn, aus die Sichtweise eines Erwachsenen. Du fragtest:

„Wozu soll ich Dinge machen, die ich schon kann?

Warum muss ich sooft das selbe machen.

Oft Wochenlang.“

Du sagtest außerdem, dass du andere Sachen rechnen willst, so was wie deine Schwester  (jetzt 4. Klasse). Das Deutsch langweilig und anstrengend ist. Das Kunst und Sport Spaß machen. Und das du die Schule scheiße findest. Du sagtest, du willst schneller und mehr lernen, mit größeren Zahlen rechnen – aber das dürft ihr ja nicht. Du willst nicht dann das machen, was auf dem Stundenplan steht. Du willst am liebsten den ganzen Tag Mathe machen. Und lesen, wenn du willst. Das das wichtig ist, weißt du. Aber du möchtest halt das lernen, was du möchtest – dann wenn du es möchtest.

Mein erster Impuls war natürlich:

Das geht nicht.

Ich musste da auch durch.

ALLE müssen da durch.

Du musst das machen.

Das Leben ist kein Wunschkonzert, alle müssen in die Schule.

Aber da ich dich absolut verstehen kann und all das, was du sagst, auch logisch begründet ist – ich dir in den meisten Dingen nicht mal widersprechen kann – , musste ich nun noch aktiver werden.

Ab in die Schublade

Als erstes wollte ich (meine) Sicherheit, was deine Begabung angeht und habe im Internet eine tolle Seite gefunden. www. schlaukopf.de  (keine Werbung, aber ein Tipp) war und ist super. Du, der gerade mal die erste Klasse beendet hate, rechnet Mathe Grundwissen Klasse 3. Wobei ich dir nur einmal Division und Multiplikation erklärt habe. Du kannst das Einmal eins nicht auswendig – du rechnest. Dein Notendurchschnitt ist dort zwischen 2-3. Was Wahnsinn ist, wenn man bedenkt, dass du in deiner Klasse gerade mal bis 20 + /- gerechnet hast.

Einen (neuen) IQ Test brauch ich nicht, um zu wissen, dass du ein kleiner Mathematiker bist.

Neue Hoffnung

Noch in den Sommerferien nahm ich Kontakt zu der Freien Schule auf. Hoffte auf einen sofortigen Schulwechsel, der leider nicht klappte, da sich dort einige (zwar tolle) Änderungen ergeben haben. Wir müssten uns etwas gedulden.

Wir haben außerdem einen Termin beim Kinderpsychologen gemacht, denn an der schulischen Situation MUSS sich etwas ändern. Da aber jeder für alles ein Schrieb braucht, muss ich dich nun doch testen lassen und dich somit in eine (weitere) Schublade stecken. Im Vorgespräch wurde uns schon was von ADHS gesagt…

Ich schwöre dir, dass ich dich nicht mit Tabletten voll stopfen werde, nur damit du das tust, was die Lehrer von dir erwarten. Denn dann verlierst du dich und wirst niemals mit Dir klar kommen. Nur, damit andere es leichter haben. (Denn es ist einfach nur die falsche Schulform für dich).

Kann sich etwas ändern?

Und direkt nach den Sommerferien habe ich am 2. Tag mit deiner Klassenlehrerin gesprochen. Sie war sehr verständnisvoll, was die Probleme und Bedenken angehen. Wir sprachen lange über weitere Möglichkeiten und ich ging mit einem sehr guten Gefühl nach Hause. Deine Mathe Lehrerin wollte sich daraufhin schnellstmöglich melden.

 

Nachdem ich nach 3 Wochen noch immer nichts gehört hatte, die Situation sich hier täglich zuspitzen, habe ich dies in meinen Social Medien bekannt gegeben, denn schließlich wollen unsere Leser auch wissen wie es weiter geht. Prompt am nächsten Morgen hatte ich einen Anruf.

Lächerlich

Bei diesem Gespräch, was überraschenderweise terminlich dann doch sehr schnell ging, wurde mir mitgeteilt, dass ich mir das im Grunde nur einbilde.  Der IQ Test, von vor 2 Jahren mit 138 wurde als lächerlich abgestempelt, genauso wie deine Leistung.  Andere in deiner Klasse wären schneller und besser und überhaupt …

Da frage ich mich, wenn deine Lehrer und vor allem Frau Direktorin doch hier mitlesen, wie es sein kann, dass sie sich nicht informieren, was Minderleister überhaupt bedeutet.

Verweigerung

Nämlich dass du könntest, aber deine Vergangenheit, aus deinem ersten Schuljahr, trägt maßgeblich dazu bei, dass du dich absolut verweigerst (nach dem Motto „Ihr habt nichts für mich getan, also tue ich auch nichts für euch“) bei Aufgaben, die „anstrengend für dich sind“ (wahrscheinlich Legasthenie).

Plus dass du dich total langweilst, weil du, wie auch die anderen, alles ständig wiederholen musst.

Eine Lösung?

Am Ende des Gesprächs wurde uns zwar zugesagt, dass du nur noch einen Teil des 2. Klasse Stoffs erledigen brauchst und dann höhere Aufgaben bekommst, und auch, dass du andere Hausaufgaben bekommst, aber die ersten beiden Tage nach dem Gespräch ist nichts passiert. Keine anderen Aufgaben, keine anderen Hausaufgaben.

Was heute wieder der Grund war, dass du dir verarscht vorkommst und du dich dadurch verweigerst überhaupt in die Schule zu gehen. Sogar dein Körper rebelliert mit, so das du mit Bauchschmerzen und Übelkeit auf deine Schulpflicht reagierst.

(Edit: es wurden in 2 Monaten genau 2 mal dieess Versprechen eingehalten.)

 

Wie es mir dabei geht

Ich sehe dich leiden. Ich sehe und verstehe deine Argumente. Ich sehe deine Hilflosigkeit. Ich will dich nicht zu etwas zwingen was dir widerstrebt, ich will dich nicht in die Hölle schicken müssen, ich will dass du wieder mit Freude lernst.

Ich möchte, dass aus dir später etwas wird.

Nämlich ein Mensch, der (wieder) wissbegierig ist, das Leben und die Menschen liebt, der schätzt was er hat, und das tut, was er liebt. Der offen für neues ist und der im Grunde glücklich ist.

Wenn ich dich jetzt ansehe, und mir deine Zukunft vorstelle, wenn alles so bleibt wie es ist, dann weiß ich, dass ich dich schon ganz bald zur Schule schicke, und du dort gar nicht ankommst. Denn irgendwann wirst du mir nicht mehr vertrauen, wirst mir verheimlichen, dass du nicht in die Schule gehst.

Ich trage die Sorge um dich.

Ich sitze zwischen 2 Stühlen. Ich kann die Zeit nicht vor drehen, damit du endlich die Schule wechseln kannst. Ich kann dich nicht zu Hause lassen, weil ich mich irgendwann strafbar mache. Ich muss dich überreden, zwingen. Ich schreie dich an, ich bin verzweifelt, überfordert, hilflos. Ich mache dir mit den Konsequenzen Angst, weil ich Angst habe.

Ich bin müde.

Aber ich kämpfe für dich bis zum Schluss.

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Wir haben, trotz unserer momentanen Situation die Aufgabe, die Chance, aufzuklären.

Ich fordere, dass man schon im Kindergarten über mögliche Schulformen aufgeklärt wird.

Denn es ist eine Schande, dass einem direkt die Regelschule aufs Auge gedrückt wird. Und wenn man nicht jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der in alternativen Schulen ist, dann steht man, wenn man Pech hat, an der selbe stelle wie wir jetzt.


 

Am 20.10.2017 war unser Alptraum zuende.

Wir konnten endlich die Schule wechseln.

Wenn ihr in der selben Situation steckt: gebt nicht auf, es gibt immer einen Ausweg. Seid für euer Kind da, auch wenn ihr Angst habt, vor dem, was da kommen mag. Es ist beängstigend und unvorstellbar, ja, aber das allerwichtigste ist, deinem Kind zu zeigen, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Es hat es schon schwer genug.

 

Mehr Infos:

Hochbegabtenhilfe.de

„Moenks „10 Qualitätskriterien eines begabungsentwickelnden Offenen Unterrichts“ fassen zusammen, was Pädagogen in den letzten hundert Jahren (und davor) über schulisches Lernen gesagt haben, immer wieder, immer wieder etwas variierend, immer aber mit den Grundgedanken befasst, ein Kind in der sozialen Umgebung anderer Kinder so lernen zu lassen, dass sein Wissen, Werten und Wollen der Lehre und Erziehung seines Lehrers entgegenarbeiten. Gesetzt den Fall, wir hätten diesen Unterricht, müssen wir nicht einem Kind sagen, dass es seine vertraute Klasse aufgeben und in eine andere gehen solle, in der die Kinder älter sind als es selbst, weil dort gelehrt werde, was besser zu ihm passe. Wir müssen ihm auch nicht sagen, dass es den langweiligen Vormittag durchstehen solle, denn es könne sich auf den Nachmittag freuen, an dem es mit anderen leistungsstarken Kindern auf eine Weise arbeiten könne, die zu ihm passt. Wir müssen ihm auch nicht sagen, dass es in eine spezielle Schule für Hochbegabte gehen müsse, weil es dort Unterricht erhalten könne, der seiner Entwicklung förderlich ist. Denn alles, was wir über Unterricht und Lernen wissen, weist darauf hin, dass die Förderung des Mittelfeldes, der gut Begabten und der Hochbegabten eben die gleichen unterrichtlichen Wege fordert. Die Instrumente der Hochbegabtenförderung bürden den Kindern die seelischen Kosten auf, die begabungsentwickelnder Unterricht in der Regelschule vermeiden könnte. Das ist eine Vision, vielleicht auch Ketzerei angesichts der Anstrengungen jener Lehrerinnen und Lehrer, die sich um ihrer Schüler willen engagieren und ungeachtet irgendwelcher ungünstiger Rahmenbedingungen ihr Bestes geben. Schlimm an dieser Vision ist, dass sie möglich ist, aber nicht ist.“




3 Gedanken zu „Underachiever – Schulverweigerung schon in der Grundschule

  1. Das ist sehr interessant. Obwohl mir andere Schulformen bereits bekannt sind, ist es doch interessant zu lesen, was es mit der Begabung auf sich hat. Ähnliche Probleme kristallisieren sich bei unserem 3 jährigen bereits heraus und ich bin mir nicht sicher, ob wir jetzt schon einen Entwicklungstest machen sollten. Danke für die offenen Worte!
    Und ein entsprechendes Schicksal den Pädagogen, die diesen Titel in keinster Weise verdient haben!
    Liebe Grüße

  2. Liebe Nancy,
    Mir schnürt es gerad den Hals zu… es tut mir so leid, daß Dein kleiner Kerl das alles ertragen musste. Ihr habt einen guten Weg für ihn gefunden. Ich bin gespannt, wie es für ihn weiter geht. Welche Begabung er wie nutzt.

    …und mir laufen die Tränen, weil ich es nur zu kenne, dieses Gefühl von : er ist anders, besonders, gut und stark und klug.

    Mein Kleiner ging auf eine Selbstlerngrundschule. Jeder sein Tempo, seine Themen. Eine gute Schule. Schwierigkeiten mit übergrifflichen Kindern, Aggression, er sei der Schuldige, weil er zuerst schlug… daß stundenlange Psychospielchen mit ihm vorangegangen waren, war unwichtig. Verdacht auf ADHS. Kinderosychologisches Gutachten: Hochintelligent, Hochsensibel, äußerst Eloquent und ein „liebes Kerlchen“.
    Er ist jetzt auf dem normalen Gymnasium. Es geht nach Anfangsschwierigkeiten gut. Hat einen Freund in America mit dem er täglich stundenlang englisch spricht. Seine Begabung.
    Es geht jetzt. 🙂

    Euch alles Gute!
    LiebenGruß Sandra

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