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Was ist eine Freie Demokratische Schule?

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So langsam können wir dir endlich erklären, warum, wieso und weshalb wir die Grundschule gewechselt haben. Lange konnten wir es nicht, rein rechtlich hätte es uns das Genick brechen können.

Die Freie Schule war aber auch nur unser Plan B. Weshalb Plan A rechtlich nicht ging, erfährst du im nächsten Beitrag.

Da unsere Geschichte aber so komplex ist, muss ich bei 0 Anfangen und erkläre Dir erst einmal was eine Freie Schule überhaupt ist. Montessori, Waldorf und die staatliche Grundschule kennt ja jeder … irgendwie.

Aber eine Freie Demokratische Schule ist noch einmal etwas ganz anderes.

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Was ist eine Freie (demokratische) Schule?

Eine demokratische Schulkultur, eigenverantwortliches Handeln, angstfreies, selbst bestimmtes Lernen und ‚mitwachsende‘ Konzeptionen.

 

  • Alternativschule

Im Gegensatz zur Regelschule hat eine Alternativschule ein alternatives pädagogisches Konzept und Kinder lernen dort anders als üblich.

Heißt:

In Freien Schulen wird auf die Kinder bedürfnisorientiert eingegangen, ihnen wird kein Lehrer in einem Klassenraum vorgesetzt, der täglich; stündlich bestimmt was die Kinder wann, wo und wie zu machen haben.

Kinder in freien Schulen lernen je nach Interesse, Begabung und Begeisterung in ihrem eigenem Tempo, brauchen sie Hilfe, fragen sie (ausgebildete Lehrer) Lernbegleiter.

Ohne Zwang und Druck dürfen Kinder Kinder sein und lernen „ihre“ Themen spielerisch, aber intensiv.

Sie können sich in vielen handwerklichen, naturwissenschaftlichen, Künstlerischen, Geschichtlichen und den „normalen“  Themen (wie Deutsch, Mathe…) ausleben.

In allen Bereichen stellen die Lernbegleiter täglich Projektideen vor, die angenommen werden können.

Da die Lernbegleiter den Kindern auf Augenhöhe begegnen, sie zusammen mit den Kindern Regeln und Ideen umsetzen, ist das Verhältnis Erwachsener/Kind hier besonders eindrucksvoll, wie wir selber erleben durften.

Gemeinsam statt einsam. Die Freien Schulen sind eine Gemeinschaft, wo jeder seinen Teil beiträgt, denn jeder hat seine eigenen Stärken und Schwächen.

Allerdings muss man sich bewusst sein, dass die Kinder hier selbst bestimmt lernen. Auch lesen, schreiben und rechnen. Manche lernen es mit 6 andere haben erst mit 8 oder 9 Interesse daran.

 

Eine Freie Schule ist keine Montesorri oder Waldorf Schule, allerdings finden sich in der Freien Schule besondere Aspekte wieder.




  • Privatschule

Eine FDS ist eine Privatschule. Privatschulen müssen von den Eltern selbst bezahlt werden, wobei es meist Staffel preise gibt (Familienstand, Einkommen…).

Heißt:

Ja, die Schule kostet Geld. Das geht pro Kind/ pro Monat bei ca. 100€ los (je nach Schule) zuzüglich einmaliges Schulgeld von +/-1000€ pro Kind.

Allerdings brauchen die Schüler in der freien Schule nichts außer wetterfester Kleidung, (bei uns) ein Schnitzmesser, Sportzeug sowie Frühstück.

Keine Stifte, keine Hefte, keine Bücher, keine Klassenkasse, keinen Ranzen, nichts.

Nach der 3. Einschulung auf einer Regelschule (Niedersachsen) und nun mehr als 10 Grundschuljahren Erfahrung weiß ich, dass auch die Grundschule nicht kostenfrei ist, trotz dass sie kostenlos ist. Wir waren, bei 3 Kindern, jährlich schnell bei rund 2.000€ für alles.

Nicht zu vergessen, laufende Kosten für Aktionen wir „Klasse 2000“, „gesundes Frühstück“, Ausflüge, Kopiergeld, Sponsoren lauf usw.

Wie ist eine Freie Schule räumlich aufgebaut?

Es gibt keine Klassenzimmer. Keine Tische und Stühle um starren Unterricht zu machen.

Tafeln hängen in den Räumen, damit die Schüler ihre Ergebnisse zeigen können.

Lehrer gibt es, aber die werden geduzt und mit denen wird gespielt. Auf dem Boden. Sie greifen nicht aktiv in den Lernmodus des Schülers ein, außer sie werden von ihnen darum gebeten.

Es gibt keine Stundenpläne, keine Schulklingel, keine Pausen, keine Hausaufgaben. Gegessen und getrunken werden kann fast durchgehend. Es wird gelehrt, dass die Kinder auf ihre Bedürfnisse hören sollten (Hunger/Durst).

Die Räume, der freien Schule sind thematisch angepasst, so gibt es eine Küche, einen Werkraum, ein Labor, eine Ruheoase, einen Frühstücksraum, einen Kunstraum, einen Lern Raum für Mathe usw.

 

Ist die FDS in Deutschland erlaubt?

Ja, im Gegensatz zum frei lernen sind Freie Schulen in Deutschland erlaubt und eine gute Alternative.

 

 

Seit wann gibt es die Freien Schulen?

1970 eröffnete die erste Freilerner Schule in Deutschland. Hier zur Geschichte.




Für wen ist die Freie Schule etwas?

So begeistert wir auch sind, muss ich auch sagen, dass die Freie Schule nicht für jedes Kind und vor allem auch nicht für alle Eltern etwas ist. Leistungsorientierte Eltern werden dort nicht glücklich werden. Wer wert auf einen sicheren Abschluss legt, Klassenbeste Kinder haben will und sich dem Sturm von außen nicht beugen will oder kann, der sollte es sein lassen – seinem Kinde zu liebe.

Man muss im Grunde alles aufgeben, an was man mal geglaubt hat; man muss sich vom bekannten Schulsystem lösen, bedürfnisorientierte Erziehung und frei lernen muss eine Überzeugung sein, eine Haltung  –  kein Trend, weil es gerade alle machen.

Nichts ist schlimmer als den Kindern in der Schule großzügig Freiräume zu geben und sie dann zu hause mit (selbst erdachten) Hausaufgaben, Regeln und Pflichten zu fordern. Man muss aushalten können, wenn das Kind keine Lust hat lesen zu lernen, auch mit 9. Man muss dem Freilernen, der Schule und – nicht zu vergessen – seinem Kind zu 110% vertrauen können.

Die Freie Schule ist kein verlängerter Kindergarten, der den Kindern noch ein paar Jahre mehr Spielen bereiten soll. Viele FDS wachsen von Grund.- zu Grund.- UND Sekundarschulen heran, heißt: Bis zur 10. Klasse können Kinder in dieser Schulform spielerisch lernen.

Sommer Spiele Ideen Kinder Ferien Beschäftigung Natur draussen

Was ist mit dem Abschluss?

Man kann jeden Abschluss machen, auch wenn man nie in eine „richtige“ Schule war (übrigens auch als richtiger Freilerner).

In Freien Schulen wird durch Lehrer unterstützt und es wird oft mit weiterführenden Schulen zusammen gearbeitet, sodass der Schüler sehr gut, auf seine Prüfung, vorbereitet sein wird.

Freilerner (die nie zur Schule gegangen sind) erreichen nicht selten das beste Abi. Siehe 5reicherts

 

Wo gibt es Freie Schulen?

auf www.freie-alternativschulen.de findest du eine Liste aller bundesweiten Freien Schulen.

Übrigens kann jeder eine Schule gründen, nähere Infos gibt es hier bei auxmoney.

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Weitere Interessante Links:

 

Freie Alternativschulen

Freie Schulen Niedersachsen

Eudec – demokratische Schule

 

Sogar Nena (99 Luftballons) ist  Gründerin einer Freien Schule

 

Freilernen (ohne Schule) in den Medien, eine Sammlung über schulfrei-community.de

Ein Beitrag beim  Spiegel

 




6 Gedanken zu „Was ist eine Freie Demokratische Schule?

  1. Ich frage mich bei dieser „Schulform“ immer wieder: Wie sollen die Kinder später mal im Berufsleben zurecht kommen? Bzw. schon bei der Ausbildung? Da kann man auch nicht machen was man will. Es gibt Regeln und Strukturen, Arbeitsabläufe und auch mal Dinge, die keinen Spaß machen, aber dennoch (zeitnah) gemacht werden müssen und das betrifft nicht nur das Arbeitsleben, sondern das Leben allgemein. Ich habe frühs auch keine Lust aufzustehen, muss ich aber, weil ich zur Arbeit muss, denn ohne Arbeit kein Geld… Ich hab auch keine Lust zu putzen, waschen etc. Es muss aber auch gemacht werden. Ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich denke, dass oft die eigene Einstellung zum Thema Schule/lernen ausschlaggebend ist, wie sich die Kinder später verhalten und wenn die eigenen negativen Erfahrungen auf das Kind projiziert werden ist das natürlich nicht förderlich…

    1. Interessant, dass du uns direkt Dinge unterstellst, die nicht einmal im entferntesten stimmen. Woher nimmst du deine Aussagen; faul, keine Lust aufzustehen, zum lernen & zu arbeiten? Woher hast du deine Informationen, denn von mir nicht, ich habe hier mit noch keinem Wort erwähnt WARUM wir wechseln. In den Social Medien habe ich es nur angerissen, und selbst von DIESEN Argumenten hast du hier nichts von erwähnt. Ich gehe also davon aus, dass du keinerlei Ahnung hast, warum du das geschrieben hast, ausser „weil das so ist.“.

      Dein Komemntar zeigt mir im Grunde aber auch noch einmal, dass ich sehr froh sein kann, dass meine Kinder, nun auch in der Schule die Chance haben, selbstständig denken zu lernen. Nicht nur auswendig oder was einem einer vorspricht nachquasseln.

      Auch die 3 Millionen Arbeitslose, in Deutschland, waren unter Garantie nicht alle auf Freien Schulen… Deine Argumente sind völlig haltlos, zumal ich auch schon im Beitrag geschrieben habe, dass Freilernen auch ohne Probleme das Abitur schaffen – meist sogar noch besser, als Schüler, die schon immer in einer Regelschule waren.
      Eventuell solltest du dich wirklich besser informieren, denn nur in Deutschland gibt es das Schulgebäudegesetz. In ALLEN anderen Ländern ist das NORMAL.

      Ich verstehe allerdings, dass man für Alternative Schulen seinen Horizont erweitern muss – und nicht jeder möchte oder kann das, was auch völlig ok ist. Aber mit keinem Wort habe ich gesagt, dass Regelschulen überflüssig sind. Also unterstelle mir hier keine Hetzerei.

      Wir (als Eltern) waren sogar sehr, sher gerne in der Schule, bei mir liegt es vllt auch daran, dass ich 3 Lehrer in der Familie habe…

      Bitte informiere dich doch richtig, und selbst wenn es nicht in euer Leben passt, oder du es nicht verstehen willst, heißt dass nicht, dass es so bei allen anderen auch so ist.

      Leben und Leben lassen.

  2. Hallo Ihr zwei 🙂 Ich möchte mal mit drei Aspekten antworten.
    1. Meine Meinung zu Deinem Artikel
    2. Einige Antworten für M.

    1. Du, Nancy, hast in vielen Punkten sehr schön das Leben und Lernen an Freien Alternativschulen beschrieben. ABER Achtung: Es gibt hier innerhalb solcher Schulen eine riesengroße Bandbreite an Ideen und Konzepten, die mindestens so groß ist, wie die Unterschiede an Regelschulen. Das gilt für alle Punkte: Zusammenleben, DemokratieIdeen, Noten, Abschlüsse, Raumgestaltung, …
    Zum Thema Schulgeld: Privatschule klingt immer so nach Eliteinternat. Eine „Schule in privater Trägerschaft“ MUSS laut Gesetz („Sondierungsverbot“) JEDEM Kind unabhängig der finanziellen Situation der Eltern offen stehen. Übrigens: Da Schulgesetz Ländersache ist, gibt es auch hier riesige Unterschiede in allen Belangen.

    2. Zu Deinen Zweifel M.: Zunächst finde ich es super, dass Du überhaupt Stellung nimmst und ich kann Deine Zweifel absolut nachvollziehen. Das sind immer so die ersten Bedenken, wenn man anderen Menschen von freien, demokratischen Schulen erzählt. Das sind m.m.N. keine Unterstellungen, sondern absolut berechtigte Bedenken.
    Ich kann Dir an dieser Stelle zwei tolle Videos empfehlen, die Du Dir mal anschauen solltest. Danach können wir gern weiter diskutieren.
    https://www.youtube.com/watch?v=2zAmzHWjb-E&t=8s
    https://www.youtube.com/watch?v=S3X3FgOd_bU

    Nancy, ich finde nicht, dass M. Dir hier großartig was unterstellt, sondern nur berechtigte Sorgen zum Ausdruck bringt. Wie soll M. etwas verstehen, dass er/sie noch gar nicht kennt?! Vorbehalte freien Schulen gegenüber sind absolut berechtigt. Leider werden diese sehr häufig den antiautoritären Bewegungen der 68er oder dem sog. Kinderladen nahegestellt…

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