Arschlochmütter / Mobbing in Grundschulen


Diesen Beitrag habe ich schon im Oktober 2016 geschrieben. Es ist nun endlich an der Zeit ihn zu veröffentlichen, denn ich möchte, dass ihr unseren zukünftigen Weg verstehen könnt.


Ich möchte mich jetzt schon entschuldigen, falls es passiert, dass ich mich irgendwann im Laufe des Textes nicht mehr zurück halten kann. Ich bin sauer. Enttäuscht. Traurig. Zerrissen, hilflos und Fassungslos.

Ich kann nicht verstehen, was aus der kommenden Generation werden soll, denn anscheinend hat unsere total versagt. Zumindest ein Teil.

Auch weiß ich noch nicht, ob ich diesen Beitrag online stellen werde, denn es greift sehr in unser Privatleben, was ich eigentlich so vermeiden will.
ABER Es gibt noch so viel mehr Kinder da draussen, die Angst haben, am nächsten Tag in die Schule zu gehen.

Mobbing

In diesem Beitrag geht es um Mobbing in Schulen. Um genauer zu sein: in Grundschulen.
Mittlerweile wurde schon jedes meiner Kinder irgendwann mal gemobbt.
Ich rede nicht von „sich ärgern“.
Ich rede von wochenlanger Ignoranz.
Ich rede von Whatts App Nachrichten à la „Bring dich doch einfach um! Dich braucht keiner.“
Ich rede von 6 jährigen Kindern, die Geburtstagseinladungen auf den Boden werfen und sagen: „Ich will überhaupt nicht zu dir kommen!“ obwohl sie den Tag vorher noch zusammen gespielt haben.
Ich rede von Kindern, die Wahl.- und Sinnlos von jetzt auf gleich, auf mein Kind eintreten, mehrmals, weil es der „Cliquenchef“ befohlen hat.
Ich rede vom würgen, zwischen die Beine treten, von schlägen, weil es „Spaß“ macht.
Ich rede vom ignoriert werden – von allen Freunden – von jetzt auf gleich. Wegen nichts.
Ich rede von psychischer und körperlicher Gewalt.
Von Arschlochkindern, die ich eigentlich so nicht nennen will, denn es ist nicht ihre Schuld.

Arschlochmütter

Es ist die Schuld ihrer Eltern. Der Eltern die versagt haben.
Und ich rede vom weg schauen der Lehrkräfte, in den Pausen.

Ich rede von Eltern, die sich nicht eingestehen wollen, dass ihre Kinder Probleme haben, die sich blenden lassen und/oder einfach überfordert sind.

Wie ich eben schon erwähnte, wurden fast alle meine Kinder schon einmal gemobbt. Es ist also kein Thema welches neu, oder gar übertrieben ist. Es ist zwar auch aktuell, aber ich habe nunmehr -leider- auch genug Erfahrung sammeln „dürfen“ um zu sagen: hier läuft gewaltig was falsch.
Darum besteht dieser Artikel aus mehreren Mobbing Attacken.

Die Ruhe vor dem Sturm

Als Elternteil merkst du erst einmal nichts. Dein Kind wird so sein wie immer.
Wird sich aber recht schnell immer mehr zurückziehen. In’s Zimmer, in die Online Welt, in seine Gedanken.
Nach der Traurigkeit folgt die Wut.
Gegen sich, seine Geschwister,den Eltern, seinem Eigentum.
Du denkst dir „was ist bloß los mit ihm/ihr?“ fragst nach, immer und immer wieder und denkst dann, du fällst vom Glauben.

BÄM

„Mama, keiner möchte mit mir in der Pause etwas machen. Sie äffen mich mit Babystimmen nach, Schubsen mich, treten mich. Sie antworten nicht, wenn ich mit ihnen rede und hören mir nicht zu.“
Du schluckst, dir dreht sich der Magen und du fühlst dich taub. Hilflosigkeit macht sich breit und du denkst, während du es aber schon sagst: „Und wie lange geht das schon so? Warum hast du nie etwas gesagt? Warum machen die das denn?“
„Schon die ganze Zeit, Mama. Ich weiß es nicht. Ich habe nichts gemacht. Ich gehe immer hinterher und versuche mit ihnen zu spielen“
„Aber warum bist du dann mit ihnen zusammen?“ Sagst du, und denkst gleichzeitig,“ ja warum wohl,… ich würde es nicht anders machen. Lieber so, als ganz allein.“
Um dann herauszufinden, dass auch dies mehrmals vorkommt.
Gewalttätige Angriffe der Mitschüler in der Grundschule werden anscheinend von den Lehrkräften „übersehen“ , sie stehen zwar auf dem Pausenhof, in der Nähe, greifen wohl aber nicht ein.
Du willst etwas tun, weißt aber nicht was.

Hilflosigkeit

Heute war wieder so ein Tag. Ich musste mein Kind abholen. Bauchschmerzen und Übelkeit.
Mir war schon auf dem Weg in der Schule klar, es ist etwas passiert. Dorthin wurde ich immer wütender, ihr glaubt gar nicht, was ich am liebsten gemacht und gesagt hätte. All die bösen Erinnerungen des Mobbings, die wir schon hinter uns haben, kamen wieder hoch.
Beste Freunde, die auf einmal so widerlich werden, alle anderen Kinder auf ihre Seite ziehen, Lügen erzählen, Vertrauen ausnutzen, Geheimnisse ausplappern, mit Sachen beschiesen und körperliche sowie psychische Gewalt einsetzen. Die ehemals beste Freundin ignoriert plötzlich und andere Kinder werden mit rein gezogen. Warum lassen sich Kinder bei sowas rein ziehen?
Kinder die andere Kinder nicht akzeptieren wollen, weil sie neu in der Klasse sind, das allein reicht als Grund ihnen zu schreiben „Häng dich weg, dich braucht keiner!“. Die in Sozialen Medien dann auch noch äußerst kreativ werden und den anderen Kindern einfach das Leben zur Hölle machen.
Und dann gibt es Kinder, die im Kindergarten keinen Freund hatten, ausser den, den sie jetzt in der Grundschule mobben.

Der Mobber, das Opfer

Dieser arme Junge, und ich rede von dem der mobbt, muss anscheinend mit seinem ganzen Leben (JETZT SCHON) so unglücklich sein, dass er das alles auf seinen ehemaligen, besten und einzigen Freund projiziert. Warum genau das so ist, kann ich nicht beurteilen, das steht mir nicht zu.
Als ich mein Kind abgeholt habe, hatte ich es, wie schon gesagt schon geahnt. Ich fragte, es sagte „nein nichts“ um dann keine 20 min später herauszufinden, dass es wieder getreten wurde.

Verständnis?

Ich habe für vieles Verständnis, nicht umsonst spielen meine Kinder auch mit Aussenseiter, mit den neuen in der Klasse und sind aufgeschlossen ohne Vorurteile, aber bei sowas platz mir langsam echt der Kragen.
Am liebsten. Aber ich kann nicht.
Denn ich bin, genauso wie deren Mütter und anscheinend auch die Lehrer, nie dabei.
Ich weiß nicht was da wirklich passiert. Und natürlich glaubt jede Mutter ihrem Kind.
Ich weiß auch, dass mein Kind mittlerweile so wütend ist, dass er bestimmt auch provoziert.
Aber wie schon gesagt, ich bin nicht dabei.

Ich weiß momentan nicht, was ich machen soll.
Abwarten, bis die Mitläufer Kinder merken, dass das so nicht korrekt ist?
Soll ich den Müttern sagen, dass das alles scheiße ist? Die sind wahrscheinlich so verblendet und froh, dass ihre Kinder endlich „Freunde“ haben, da wird nichts von ankommen…
Soll ich die Schule wegen jedem Vorfall auf’n Pott setzen? Das geht gar nicht, weil ich teilweise erst verspätet erzählt bekomme, was los war. Weil mein Kind sich schämt. Weil mein Kind denkt, es sei selber dran schuld. Weil mein Kind mit so etwas noch nie konfrontiert war.

„Ja, ach… früher war das auch nicht anders. Jungs sind halt so! Und das war sowieso ganz anders.“ Auf solche einen Satz warte ich nur. Denn dann kann ich endlich brüllen:

„Ach, Du tolerierst also Gewalt?

Und doch: Früher war es anders, denn da hat man aufgehört rein zutreten, wenn man am Boden liegt!

Da konnte man sich auf Lehrer verlassen, die in der Pause auch geschaut und eingegriffen haben, und nicht Kinder – „Aufpasser“ ihre Verantwortung tragen lassen!

Strafen in Schulen gibt es scheinbar, nämlich wenn Kinder den Unterricht stören, aber wenn sie andere Kinder angreifen, dann nicht mehr?!

Bitte erklärt mir diese Logik!“

Es ist schon traurig, wenn mir mein Kind sagt: „Ich habe mich nicht gewehrt, weil ich keinen Ärger bekommen wollte.“
Und ich sage: „Aber du bekommst doch wohl keinen Ärger, wenn du dich wehrst
Kind: “ Doch, der lügt dann wieder und die Lehrer glauben ihm, das ist immer so!“

Traurige Welt: dass einem Kind weniger geglaubt wird, als wenn 4 das selbe vorlügen.

Es erschüttert mich nur noch.

Ich kann nicht verstehen, wie Kinder so werden können.

Warum haben ihre Eltern denen verdammt noch mal nicht beigebracht das sie Kinder, die sie nicht mögen, die anders sind, die nicht in deren Norm passen, einfach in Ruhe zu lassen?

„Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst!“

Wie kann es sein, dass schon Grundschulkinder aufs übelste mobben?

Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

 


Heute, 10 Monate später (August 2017), ist es so, dass wohl ein paar Gespräche mit den Eltern, seitens der Schule, geführt wurden und es, was die körperlichen Angriffe angeht, besser geworden ist. Ich selber hätte dieses Gespräch damals mit den Eltern nicht führen können. Ich wäre – sorry, ausgerastet.
Es wird also irgendwann etwas besser.Wenn man lang genug aushält.

Aber es prägt.
Es zerstört Kinderseelen.
Mein Kind hat mit diesen Kindern abgeschlossen, den Kampf aufgegeben. Gemauert. Sich zurückgezogen.
Aber auch das wurde besser. Zuhause.
In die Schule will er noch immer nicht, auch wegen den Kindern.
Im Zeugnis stand “ …. soll mehr auf seine Mitschüler zu.- und eingehen“ – ich empfinde das als blanken Hohn, denn schließlich wurde er über Monate von ihnen misshandelt. War dort schutzlos ausgeliefert. Also nein, muss er gar nicht.

Bitte, liebe Eltern, bringt euren Kinder bei, das man das Leben, in all seinen Formen zu schätzen hat. Das fängt schon bei Tieren und Pflanzen an. Wo kommen wir hin, wenn wir uns schon mit 6 Jahren gegenseitig bekämpfen?

Bringt ihnen bei, dass es mehr Stärke bedeutet, jemanden zu helfen, als reinzutreten, wenn jemand am Boden liegt – und es alle tun.

Das es mehr Wert ist, jemanden die Hand zu reichen, als hinter Idioten zu stehen.

Das man andere so behandeln sollte, wie man selbst gern behandelt werden möchtet.

Es ist im Grunde ganz einfach…


wie es weiterging:

Im Oktober 2017 hat sich die ganze Sache dann doch so zugespitzt, dass wir auf die Freie Schule gewechselt sind.

Nun (Juli 2018) geht es ihm so super, dass er wie ausgewechselt ist. Er ist an seinen Problemen gewachsen, fühlt sich endlich verstanden und wird dort wahrgenommen. Es wird auf ihn geachtet und er wird gesehen.


Ironischerweise ist mir, als ich den Artikel schrieb, dieser Beitrag über den Weg gelaufen: Danke an essentialunfairness für das Teilen deiner Erfahrungen, die auch mich im nachhinein geprägt haben.