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Bald obdachlos? – Was war hier los?


Raus

Vor etwas mehr als 3 Wochen bekamen wir Post.

Das Mietshaus, welches wir bewohnen, wäre innerhalb eines Monats zu räumen.

 

Es war eine Frage der Zeit, denn schon im November 2017 ging der Spaß mit unserer Vermieterin los.

Sie will das Haus verkaufen.

Deshalb hat sie viel gelogen, viel erfunden, sich verweigert Schäden zu beseitigen (Schimmel) und alles dafür getan, damit wir ausziehen. Es war teilweise so lächerlich, aber egal, sie wollte uns rausekeln.

 

Und nun wurde uns die Zwangsräumung angekündigt, wenn wir nicht bis ende September ausziehen.

 

Das das geht, hat eine Richterin schon Ende letzten Jahres beschlossen, wenn die Miete “regelmäßig verspätet gezahlt wird”.

So, die Miete kam nun im Laufe des Jahres auch mal zum 3., zum 4., und auch einmal am 7. bei unserer Vermieterin an. Das ist eine regelmäßig verspätete Zahlung der Miete.

Das streite ich nicht ab, dass kann passieren. Blöd gelaufen, denn wir wussten es ja. Nunja, vllt sollte es so sein, vllt war es ungeplant beabsichtigt.

Mir ist natürlich auch bewusst, dass auch Sie Zahlungen pünktlich leisten muss, allerdings denk ich nicht, dass sie so blöd ist und sich keinen Puffer zwischen den Zahlungen eingerichtet hatte.

 

Obdachlos?

Wir stehen also mit 4 Kindern und Hund so gut wie auf der Straße und es interessiert keinen.

Keine Schulden.

Keine Sache, “die man wieder richten kann”.

Tatsache.

 

Bloß weg hier

Glücklich waren wir schon sehr lange nicht mehr.

Da ist das Nachbarskind was mobbt.

Da ist die Grundschule, die nicht mehr besucht wird.

Und da ist der Kindergarten der gemieden wird.

Und da sind Nachbarn denen man gerade mal noch so “Hallo” sagt.

Und nicht zu vergessen die Tatsache, dass die eigene Vermieterin, selber Mutter 3-er Kinder, eiskalt eine Familie vor die Tür setzen will.

 

Das ist nicht der Ort, den ich mir für meine Kinder und uns als Familie wünsche.

Nicht mehr.

Dieser Spießer Ort, wo der Rasen gefühlt mit der Nagelschere getrimmt wird, wo mit vorgehaltener Hand gelästert wird, während sie dir frech ins Gesicht grinsen, dieser Ort, wo jeder denkt er wäre was besseres und sein Konsum zur Schau stellen muss. Hier wo den Kindern aus schlechtem Gewissen alles in den Arsch gesteckt wird, weil Muddi und Vaddi den ganzen Tag schuften müssen und keine Zeit für ihre Kinder haben. Wo schon die allerkleinsten falsch und hinterhältig sind.

 

Nein, hier will ich nicht bleiben müssen.

Weltreise

Die Weltreise war geplant, ein Umzug sollte uns nicht aufhalten, aber irgendwie ging es nie richtig voran. Kein Wunder bei der Wuchermiete, die wir hier zahlen. Es blieb nie etwas übrig, trotz sorgfältiger Planung.

 

Der Bus war unser Plan B, wenn es soweit kommt, wie es jetzt kam.

Und Plan B fiel ins Wasser.

 

Wir schauten uns in den letzten Wochen viele Wohnungen und Häuser an. Alle rund um die Schule, so dass unsere Kinder weiterhin auf ihre freie Schule gehen können.

Und fanden nichts.

Wie soll man auch innerhalb minimaler Zeit etwas Passendes finden, bei einem Vermieter, der eine Familie mit 4 Kindern und Hund praktisch sofort aufnimmt?

 

Vertrauen

Trotz der Angst meine Kinder zu verlieren, denn ich denke dem Jugendamt wird es nicht gefallen, wenn man Obdachlos ist, blieb ich ruhig.

Ich war so ruhig wie noch nie.

Ich habe über all die Monate gelernt zu vertrauen. Die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Alles hat seinen Sinn, wie oft hab ich euch das schon gepredigt?!

Und ich vertraute.

Vieleicht auch um nicht durchzudrehen.

 

Ganz sicher wusste ich aber: es wird nicht schlimm enden.

Und ich zog das positive aus dieser so ausweglosen Situation. Ich sammelte Kräfte und ich überdachte all das, was man sonst ausblendet.

Was wollen wir? Was brauchen wir ? Wollen wir wirklich hier bleiben? Wo wollen wir hin – auch was unsere Zukunft angeht.

Das muss so

Der ein oder andere wird sagen: Das was man sich wünscht, zieht man an.

Das hab ich aber immer belächelt.

Natürlich wusste ich wo unser Weg mal endet: bei einer Weltreise, aber das schien im Moment noch weiter weg als jemals zu vor.

Kein Bus. Kein Plan. Keine Ahnung wohin.

 

Aber ich blieb weiter ruhig. Irgendetwas wird sich finden.

 

Schicksal

Und kurz nach dem Brief fiel mir die Anzeige ein, die eine Bekannte bei Facebook eingestellt hat. In einer Alternativen Wohngruppe bot sie eine Wohnung an, die man sogar noch weiter ausbauen kann. Sie wünscht sich eine Gemeinschaft.

Und diese Person kannte ich von einem meiner schwersten Wege, von der Schulverweigerung, und auch da hat sie mich schon super unterstützt.

Und so kam eins zum anderen und sie zeigte uns einen ganz tollen Ort.

Einen Alternativer Ort von (auch) Aussteigern, die den Sinn des Lebens suchen (oder schon gefunden haben). Mit Menschen, die von einer Weltreise kommen, oder einen Zwischenstopp dort machen. Von einer Gemeinschaft, wie ich sie mir schon soooooo lange für mich und meine Familie wünsche. Echte, ehrliche, treue Menschen – keine Arschloch Konsum Opfer die nur an sich denken.

Und es gibt eine freie Schule dort, die die Kids ohne viel rumfahrerei erreichen können.

Olli muss nicht seinen Job wechseln, weil immer noch erreichbar.

Auch können wir unseren Bus direkt vor der Haustür ausbauen.

 

Und so schließt sich der Kreis.

Und ich denken mir: Olle, du bist doch nicht durch geknallt. Alles hat seinen Sinn.

 

 

Bei You tube gibts auch die ersten, echten Emotionen, die ich in meinen Insta Storys geteilt habe.