Was der Kämpfer in mir wirklich will

Ich bin ein Kämpfer.

Schon immer war ich die, die für andere da war.

Freunde, Bekannte, Familie, selbst für Leute die ich erst einen Abend kannte.

 

Man erzählte mir schon immer Dinge, die mich gar nichts angingen.

Fragte mich um Rat – direkt oder indirekt.

Ich weiß Geheimnisse, die wissen nicht mal deren nähesten Familienangehörigen.

 

Ich half gern.

Triggerte gern.

Hörte zu, war da.

Zeigte Menschen, was Vertrauen ist.

 

Jeder, der es wollte, konnte seinen Seelen Müll bei mir abladen.

Schon immer – und wahrscheinlich auch in der Zukunft. (Das weiß ich aber noch nicht.)

 

Ich fühlte mich dadurch stark.

Mein Ego fühlte sich dadurch stark.

Nicht weil ich weiser, klüger oder besser war als die anderen, nein, ich fühlte mich dadurch gebraucht.

Wertvoll.

 

Nach einer Kindheit des „du bist ungewollt“ war dies Jahrzehnte lang auch etwas Heilung.

 

Ich habe nie in Frage gestellt, warum man mir soviel anvertraut.

Mochte es.

Brauchte es.

Es war halt so.

 

Und dann wurde mir Stück für Stück klar, das ich bereit dazu bin, mich nun auch mal fallen zu lassen.

Meine Kraftreserven kamen dem Ende nahe.

Ich war bereit für einen Menschen, der mich und meine Last tragen kann.

Ohne das ich ein schlechtes Gewissen dabei haben muss.

Jemand, der mental genauso stark ist, wie ich.

 

(Was nicht heißen soll, dass andere es nicht schaffen würden. Das ist eher eine „gefühlte“ Sicherheit plus das Bewusstsein, dass „ich“ immer diese Person in meinem Umfeld war, die ich selber suchte.)

 

Ich rief es also ins Universum und rückblickend ist es mir klar: ich bekam kurze Zeit später jemanden geschickt.

Ganz unverhofft.

 

Und ich bin dankbar dafür, dass ich nun gefunden habe, wonach ich immer gesucht habe.

(Auch wenn ich nicht wusste, das ich das tat.)

 

Ich fand ein Gefühl:

Das es ok ist, das mich jemand tragen kann, so wie ich ihn.

Das es ok ist, das mich jemand fühlt, so wie ich ihn, weil wir uns nicht verstecken können.

Ein Gefühl, das 100% echt und rein ist – so wie ich es mir in den Menschen immer gewünscht habe.

 

Das Gefühl, das mich jemand nicht braucht und mir dadurch alles geben kann.

Bedingungslos.

 

Und ja: ich liebe dieses Gefühl, auch wenn es mir erst Angst machte.

War ich doch plötzlich schutz.- und hilflos. Stand ich plötzlich auf der anderen Seite. War glasklar, für die Menschen, denen ich mich öffnete.

War ich bereit, dieses „Risiko“ einzugehen?

Schwächen einzugestehen?

 

Die Angst wuchs, aber das Gefühl der Vertrautheit war so mächtig, dass ich regelrecht süchtig danach wurde und den Kampf gegen mich selbst antrat.

 

Und so kommen wir wieder zum ersten Satz:

Ich bin ein Kämpfer.